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Staatliche Weiterbildungsoffensive brächte hohe RückflüssePressemitteilung

IAB vom 02.04.2019

Nürnberg – Die Weiterbildung von Beschäftigten wird in Deutschland im Vergleich zur Erstausbildung und zu Bildungsmaßnahmen für Arbeitslose von öffentlicher Seite deutlich weniger gefördert. Eine umfassende Förderung von Weiterbildung würde erhebliche öffentliche Investitionen erfordern – neben den direkten Weiterbildungskosten wären auch Personalausfallkosten zu bezuschussen. Sie würde aber auch Mehreinnahmen, etwa bei Steuern und Sozialversicherung, bewirken und Transferausgaben, wie beispielsweise Hartz IV oder Wohngeld, vermeiden oder verringern. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

In der Studie schätzen die IAB-Forscher Enzo Weber, Thomas Kruppe, Jannek Mühlhan und Jürgen Wiemers die gesamtfiskalische Bilanz einer solchen Weiterbildungsoffensive ab. Sie nehmen dabei an, dass die Beteiligung an non-formaler und an formaler Bildung um je ein Viertel gesteigert wird. Formale Weiterbildung ist mit einem Schulabschluss, Berufsabschluss oder Hochschulabschluss verbunden. Die sogenannte non-formale Weiterbildung kann zwar zu einem Zertifikat wie einem Gabelstapler- oder Schweißschein führen, aber nicht zu einem vollwertigen Berufsabschluss.

"Es zeigt sich, dass Ausgaben für Weiterbildungsförderung hohe Rückflüsse generieren", schreiben die Forscher. Den notwendigen Investitionen von rund 83 Milliarden Euro stehen in der Simulationsstudie fiskalische Vorteile von rund 74 Milliarden Euro gegenüber. Für das Gesamtprogramm ergibt sich somit ein fiskalisches Minus von gut neun Milliarden Euro. "Zu beachten ist, dass es sich um die rein fiskalische Bilanz der öffentlichen Hand handelt, die also den Nutzen für die Bürger – der für Politik in erster Linie handlungsleitend ist – nicht einbezieht", erklären die Forscher.

Im Zuge der Digitalisierung könnte staatliche Weiterbildungsförderung zudem noch stärkere Effekte haben. Gelinge der Anpassungsprozess an den technologischen und strukturellen Wandel nicht, könnte die Digitalisierung nach Einschätzung der Forscher zu jährlich bis zu 150.000 Arbeitslosen mehr führen. Wenn Weiterbildung jedoch den Anpassungsprozess unterstützt und so dazu beiträgt, derartige Effekte abzumildern, würde die fiskalische Bilanz sogar noch deutlich positiver ausfallen.

Die IAB-Studie ist hier online abrufbar.

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