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Erwerbstätigkeit

Auf einer Treppe stehende und gehende Menschen in Bürokleidung (Quelle: Mlenny/iStock) Quelle: Mlenny/iStock

Eine funktionierende Volkswirtschaft erfordert genügend Arbeitskräfte. Deren Zahl wird wesentlich von der Anzahl an Personen im erwerbsfähigen Alter bestimmt. Diese Alters­gruppe wird jedoch schrumpfen, absolut und relativ. Somit sollten Maßnahmen zur Erhöhung der Erwerbstätigkeit entwickelt werden.

Altersstrukturelle Veränderungen erzeugen Ungleichgewichte
Erwerbstätigkeit ist die wichtigste Einkommensquelle und daher maßgeblich für individuelle Lebensqualität und gesellschaftlichen Wohlstand. Diese aufrechtzuerhalten wird mit dem demografischen Wandel zu einer neuen Herausforderung. Grund sind der absehbare Bevölkerungs­rückgang und die bereits stattfindende Alterung. Die damit einhergehenden Veränderungen im Altersaufbau der Bevölkerung führen zu einem Ungleichgewicht, insofern als dass sich die Be­völkerung aus weniger jungen und mehr älteren Menschen zusammensetzt. Folglich wird es in Deutschland künftig weniger Menschen im Erwerbsalter geben, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Demgegenüber wächst die Zahl der Personen im Rentenalter.

Ungenutztes Erwerbspersonenpotenzial aktivieren
Diese altersstrukturellen Verschiebungen haben Folgen. Zum einen gefährden sie die Finanzierung der umlagebasierten sozialen Sicherungssysteme. Zum anderen sinkt der Anteil an Menschen, die der Wirtschaft als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Entsprechend gilt es, neben einer aktiven Einwanderungspolitik die Beschäftigung inländischer Personen zu erhöhen, und damit das sogenannte Erwerbspersonenpotenzial besser auszuschöpfen. Das Erwerbspersonenpotenzial setzt sich zusammen aus allen Beschäftigten, den Arbeitslosen und den Personen, die sich derzeit nicht aktiv am Arbeitsmarkt beteiligen. Einzig Frührentner/-innen und Menschen im Ausbildungs­system fallen hier nicht darunter. Somit stellt das Erwerbspersonenpotenzial die Obergrenze der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte dar. Hierfür müssen insbesondere Personengruppen wie Arbeitslose, Frauen und ältere Erwerbsfähige (Stichwort: Rente mit 67) verstärkt in den Blick genommen werden. Auch wenn beispielsweise die Erwerbstätigkeit der Frauen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist, ließe sich diese u. a. durch bessere Kinderbetreuungsangebote und flexible Arbeitszeitmodelle noch erhöhen.

Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit in Deutschland

Erwerbstätige nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit 2017

Im Jahr 2017 leben in Deutschland 81,7 Millionen Menschen, von denen 53,8 Millionen zwischen 15 und 65 Jahre alt sind. Damit zählen zwei Drittel zur Bevölkerung im Erwerbsalter. Von diesen sind 40,5 Millionen erwerbstätig. Daraus lässt sich eine Erwerbstätigenquote von 75 % ermitteln. Die übrigen 25 % nehmen aus unterschiedlichen Gründen nicht am Erwerbsleben teil.

Hinsichtlich der Erwerbstätigkeit zeigen sich leichte Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So liegt die Erwerbstätigen­quote bei Männern mit 79 % (21,5 Millionen Erwerbstätige) etwas über und bei Frauen mit knapp 72 % (18,9 Millionen Erwerbs­tätige) etwas unter dem Durchschnitt. Deutlich niedriger ist die Erwerbstätigkeit unter der ausländischen Bevölkerung. Von den 7,4 Millionen ausländischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen in Deutschland in der hier betrachteten Altersgruppe sind 4,6 Millionen erwerbstätig. Das entspricht einer Erwerbs­tätigenquote von nahezu 63 %. Bei den Deutschen liegt diese bei rund 77 %.


Datentabelle:
Erwerbstätige in Deutschland nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit 2017 (xls, 47 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Erwerbstätige nach Alter 2017

Von den in Deutschland im Jahr 2017 lebenden 53,8 Millionen Personen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren sind 40,5 Millionen erwerbstätig. Die Erwerbstätigenquote liegt damit bei 75 %. Diese variiert stark über die verschiedenen Altersgruppen.

Während die Altersklassen zwischen 30 und 55 Jahren Erwerbstätigenquoten von über 80 % aufweisen, fällt diese bei den jüngeren und höheren Altersgruppen geringer aus. Be­sonders niedrig ist sie bei den 15- bis 20-jährigen Personen (27 %), die zum Teil noch in der schulischen oder akademischen Ausbildung sind. Bei den 20- bis 25-Jährigen ist sie deutlich höher (65 %), bei den 25- bis 30-Jährigen mit 78 % schon über dem Durchschnitt aller Altersgruppen. Auch am oberen Altersrand liegt die Erwerbstätigenquote niedriger. Von den 55- bis 60-Jährigen sind 80 % erwerbstätig, bei den 60- bis 65-Jährigen sind es nur 58 %. Die Quoten dieser beiden Alters­gruppen sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen: 2005 lagen sie noch bei 67 % bzw. 30 % und im Jahr 2010 bei 74 % bzw. 42 %.

Datentabelle:
Erwerbstätige in Deutschland nach Alter 2017 (xls, 47 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Bestand an Langzeitarbeitslosen 2007-2018

Arbeitslose stellen einen Teil des Erwerbspersonenpotenzials dar. Für die Volkswirtschaft und vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist es umso wichtiger, diese möglichst schnell und gut (wieder) in den Arbeitsmarkt zu bringen. Eine besondere Herausforderung stellt dies bei Langzeitarbeitslosen dar. Denn je länger die Phase der Arbeitslosigkeit andauert, desto schwieriger ist es, dass die betroffenen Personen beruflichen Anschluss in einer sich kontinuierlich wandelnden Arbeitswelt finden. Hierfür sind besondere Anstrengungen nötig.

Die Arbeitslosenstatistik weist Arbeitslose auf der Grundlage der Definition der Arbeitslosigkeit im Sozialgesetzbuch aus. Dort heißt es im § 16 Absatz 1 SGB III: „Arbeitslose sind Personen, die […] (1) vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, (2) eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen, und (3) sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.“ Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten als nicht arbeitslos.

Liniendiagramm, das den Bestand an Langzeitarbeitslosen in Deutschland von 2007 bis 2018 zeigt. Wird im Text erläutert. Bestand an Langzeitarbeitslosen in Deutschland 2007-2018 Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA)

Die Dauer der Arbeitslosigkeit folgt dem Konzept nach § 18 Abs. 1 SGB III. Bei der Messung der Arbeitslosigkeitsdauer werden Unterbrechungen wegen Teilnahme an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung oder – soweit sechs Wochen nicht überschritten werden – einer Erkrankung, sonstiger Nicht-Erwerbstätigkeit sowie sonstiger Gründe nicht berücksichtigt. Als langzeitarbeitslos gelten dabei Personen, die mehr als ein Jahr arbeitslos sind.

Die vorliegende Statistik gibt den Bestand an Langzeitarbeitslosen im Zeitraum 2007 bis 2018 wieder. Ihre Zahl belief sich im Jahr 2018 auf durchschnittlich 813.400. Im Jahr 2017 lag der Wert bei 900.700 und 2007 bei 1.733.000. Der Anteil der Langzeitarbeits­losen an allen Arbeitslosen betrug zuletzt 34,8 %.

Datentabelle:
Bestand an Langzeitarbeitslosen in Deutschland (xls, 39 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Bestand an Langzeitarbeitslosen nach Staatsangehörigkeit 2007-2018

Arbeitslose stellen einen Teil des Erwerbspersonenpotenzials dar. Für die Volkswirtschaft und vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist es umso wichtiger, diese möglichst schnell und gut (wieder) in den Arbeitsmarkt zu bringen. Eine besondere Herausforderung stellt dies bei Lang­zeitarbeitslosen dar. Denn je länger die Phase der Arbeitslosigkeit andauert, desto schwieriger ist es, dass die betroffenen Personen beruflichen Anschluss in einer sich kontinuierlich wandelnden Arbeitswelt finden. Hierfür sind besondere Anstrengungen nötig.

Die Arbeitslosenstatistik weist Arbeitslose auf der Grundlage der Definition der Arbeitslosigkeit im Sozialgesetzbuch aus. Dort heißt es im § 16 Absatz 1 SGB III: „Arbeitslose sind Personen, die […] (1) vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, (2) eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen, und (3) sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.“ Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten als nicht arbeitslos.

Die Dauer der Arbeitslosigkeit folgt dem Konzept nach § 18 Abs. 1 SGB III. Bei der Messung der Arbeitslosigkeitsdauer werden Unterbrechungen wegen Teilnahme an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung oder – soweit sechs Wochen nicht überschritten werden – einer Er­krankung, sonstiger Nicht-Erwerbstätigkeit sowie sonstiger Gründe nicht berücksichtigt. Als langzeitarbeitslos gelten dabei Personen, die mehr als ein Jahr arbeitslos sind.

Die vorliegende Statistik gibt den Bestand an Langzeitarbeitslosen nach Staatsangehörig­keit im Zeitraum 2007 bis 2018 wieder. Die Zahl der Langzeitarbeits­losen mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag im Jahr 2018 bei durchschnittlich 184.900, im Vergleich zu 196.200 in 2017 und 277.400 in 2007. Damit ist deren Anteil an allen Langzeitarbeitslosen von 16,0 % auf 22,8 % gestiegen. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen ausländischen Arbeitslosen betrug zuletzt 29,6 %.

Datentabelle:
Bestand an Langzeitarbeitslosen in Deutschland nach Staatsangehörigkeit (xls, 41 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Arbeitslose nach letzter abgeschlossener Berufsausbildung 2009-2018

Arbeitslose stellen einen Teil des Erwerbs­personenpotenzials dar. Für die Volkswirt­schaft und vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist es umso wichtiger, diese möglichst schnell und gut (wieder) in den Arbeitsmarkt zu bringen. Bei entsprechender beruflicher Qualifikation können Arbeitslose den Arbeitskräftemangel reduzieren helfen.

Die Arbeitslosenstatistik erfasst derartige Daten. Sie weist Arbeitslose auf der Grund­lage der Definition der Arbeitslosigkeit im Sozialgesetzbuch aus. Dort heißt es im § 16 Absatz 1 SGB III: „Arbeitslose sind Per­sonen, die […] (1) vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, (2) eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen, und (3) sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.“ Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten als nicht arbeitslos. Hinsichtlich beruflicher Qualifikationen wird in der Arbeitslosenstatistik in der Regel zwischen folgenden Abschlussarten unterschieden: ohne abgeschlossene Berufsausbildung, betriebliche/schulische Ausbildung, Akademische Ausbildung und keine Zuordnung möglich, wenn keine diesbezüglichen Informationen vorliegen.

Die Daten von 2018 zeigen, dass 51,3 % der Arbeitslosen in Deutschland im Jahresdurchschnitt über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Der Anteil der Arbeitslosen mit betrieblicher/schulischer Ausbildung lag bei rund 39,6 %, der Anteil der arbeitslosen Akademiker/-innen hingegen nur bei 7,9 %. Für rund ein Prozent der Arbeitslosen liegen keine Informationen zur Berufsausbildung vor. Im Vergleich zum Jahr 2009 ist der Anteil an Arbeitslosen mit betrieblicher/schulischer Ausbildung zurückgegangen (-9,9 Prozentpunkte), während der Anteil mit akademischer Ausbildung (+3,1 Prozentpunkte) und am stärksten der Anteil ohne abgeschlossene Berufsausbildung (+9,5 Prozentpunkte) gewachsen ist.

Datentabelle:
Arbeitslose in Deutschland nach letzter abgeschlossener Berufsausbildung (xls, 38 KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Altersstruktur der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland

Altersstruktur der Erwerbstätigen nach Wirtschaftszweigen 2017

Angesichts des demografischen Wandels stellt sich die Frage, inwiefern auch Wirtschafts-bereiche altersstrukturelle Veränderungen erfahren. Zum einen sind bestimmte Tätigkeiten je nach Arbeitsanforderungen im Alter besser oder schwieriger ausübbar. Zum anderen beeinflusst die Berufswahl junger Schulabsolventen/-innen mit, welche Wirtschaftsbereiche von Nachwuchs­mangel und Überalterung betroffen sein werden.

Im Jahr 2017 waren 30 % aller Erwerbstäti­gen in Deutschland jünger als 35 Jahre, etwa die Hälfte zwischen 35 und 55 Jahre (48 %) und etwa jeder fünfte mindestens 55 Jahre alt (22 %). Unterschieden nach Wirtschafts­zweigen fällt auf, dass in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei der Alters­durchschnitt der Erwerbstätigen deutlich höher ist. Während die Altersgruppe 55 Jahre und älter ein Drittel ausmacht (34 %), sind lediglich 23 % der Erwerbstätigen dort unter 35 Jahre. Der "zweitälteste" Wirtschaftszweig ist die Öffentliche Verwaltung, in der mit 25 % überdurchschnittlich viele Ältere und mit 27 % unterdurchschnittlich viele Jüngere arbeiten.

Der "jüngste" Wirtschaftszweig hingegen ist demnach der Bereich "Handel, Reparatur von Kfz und Gastgewerbe". Hier setzen sich die Er­werbstätigen altersstrukturell wie folgt zusammen: 34 % unter 35-Jährige, 46 % 35- bis unter 55-Jährige und 20 % 55-Jährige und älter. An zweiter Stelle folgt "Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe" (ohne Baugewerbe und Energieversorgung) mit 30 % Jüngeren, 50 % in der mittleren Altersgruppe und 21 % Älteren.

Datentabelle:
Altersstruktur der Erwerbstätigen in Deutschland nach Wirtschaftszweigen 2017 (xls, 39 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Altersstruktur der Beschäftigten in den Betrieben 2019

Der demografische Wandel verändert die Altersstruktur der Bevölkerung. Die Auswirkungen von Schrumpfung und Alterung auf die Bevölkerung im Erwerbsalter sind dabei von essentieller Bedeutung, weil diese als arbeitender Teil der Gesellschaft die Wirtschaftskraft und das Sozial­system sicherstellt. Laut aktueller Bevölkerungsvorausberechnung wird die Zahl der Menschen im Erwerbsalter (20-64 Jahre) in Deutschland im Jahr 2060 je nach Wanderungssaldo um etwa ein Viertel bzw. ein Drittel kleiner sein (Statistisches Bundesamt 2015:20). Das verschärft die Situation des Fachkräftemangels auf dem Arbeitsmarkt. Daneben müssen sich Betriebe zunehmend mit alternden Belegschaften auseinandersetzen, was besondere Anforderungen an Arbeitsgestaltung und Qualifizierungsbedarfe mit sich bringt.

Balkendiagramm, das die Altersstruktur der Beschäftigten in den Betrieben in Deutschland im Jahr 2019 zeigt. Wird im Text erläutert. Altersstruktur der Beschäftigten in den Betrieben 2019 Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Wie relevant letzteres heute schon ist, darüber kann die Altersstruktur der Beschäf­tigten in den Betrieben einen ersten Eindruck vermitteln. Diese wird im Rahmen des IAB-Betriebspanels erhoben. Die Daten von 2019 zeigen, dass 60-Jährige und Ältere immerhin rund 9 % an der Gesamtbeschäftigung in den Betrieben ausmachen. Knapp ein weiteres Viertel (24,9 %) ist zwischen 50 und 59 Jahre alt. Die meisten Beschäftigten in Deutschlands Betrieben, und zwar fast die Hälfte (43,9 %), gehören der Altersgruppe der 30- bis unter 50-Jährigen an. Und ein Fünftel befindet sich im Alter unter 30 Jahre. Im Vergleich zum Jahr 2011 hat sich der Anteil der 30- bis unter 50-Jährigen an allen Beschäftigten um 8 Prozentpunkte verringert. Umgekehrt hat sich der Anteil der Alterskohorte 50 Jahre und älter im gegebenen Zeitraum um rund 6 Prozentpunkte erhöht.

Datentabelle:
Altersstruktur der Beschäftigten in den Betrieben 2019 (xls, 36 KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Potenzial und Bedarf an Arbeitskräften in Deutschland

Erwerbspersonenpotenzial 1991-2020

Der Bevölkerungsrückgang lässt auch die Erwerbsbevölkerung schrumpfen. Die Wirtschaft ist jedoch weiterhin auf Arbeitskräfte angewiesen. Hierfür kann nicht nur auf Zuwanderung gesetzt werden. Auch muss das inländische Erwerbspersonenpotenzial bestmöglich genutzt und in den Arbeitsmarkt integriert werden. Das Erwerbspersonenpotenzial stellt die Summe aus Erwerbs­tätigen, Erwerbslosen und Stiller Reserve dar und bildet damit die maximale Zahl der in einer Volkswirtschaft verfügbaren Arbeitskräfte ab.

In Deutschland hat sich das Erwerbs­personenpotenzial seit der Wiederver­einigung von 43,4 Mio. im Jahre 1991 auf 47,6 Mio. Erwerbspersonen 2019 vergrößert. Die Prognose für 2020 geht von einer weiteren, aber vergleichsweise schwachen Zunahme um weitere 30.000 Personen gegenüber dem Vorjahr aus.

Die Zunahme resultiert aus den Faktoren demografische Entwicklung, Erwerbsbeteili­gung und Migration. Prognostiziert wird, dass Zuwanderung das Erwerbspersonen­potenzial 2020 um insgesamt 110.000 Arbeitskräfte erhöht. Insbesondere dieser Wanderungseffekt steht allerdings unter dem Vorbehalt der im Jahr 2020 aufgetretenen Corona-Pandemie. Die Projektion wurde im März 2020 erstellt. Die weltweiten Einschränkungen bei den Zu- und Fortzügen könnten die Nettozuwanderung stärker senken als damals angenommen wurde und damit den angegebenen Wanderungseffekt auf das Erwerbspersonenpotenzial deutlich niedriger ausfallen lassen. Entsprechend würde die für 2020 prognostizierte Veränderung des Erwerbspersonenpotenzials geringer ausfallen, eventuell sogar ins Negative drehen.

Eine steigende Erwerbsbeteiligung, vor allem von Frauen und Älteren, sowie der Arbeitsmarkt­eintritt von Flüchtlingen steigert das Erwerbspersonenpotenzial 2020 gegenüber 2019 um 260.000 Arbeitskräfte. Der immer stärker werdende demografische Trend einer alternden Bevölkerung reduziert dagegen das Erwerbspersonenpotenzial – isoliert betrachtet – gegenüber dem Vorjahr um 340.000 Arbeitskräfte.

Die Entwicklung über die letzten knapp 30 Jahre zeigt, dass die Zahl der Erwerbslosen und die Stille Reserve, die nicht ausgeschöpfte Ressourcen für den Arbeitsmarkt darstellen, insgesamt rückläufig sind. So wurden 2019 im Vergleich zum Höchststand 2005 gut 3,1 Mio. erwerbslose Personen weniger registriert. Die Stille Reserve geht schon seit Mitte der 1990er Jahre zurück, d. h. die "verdeckte" Arbeitslosigkeit sinkt. Im Jahr 2019 ist sie zum ersten Mal seit der Vereinigung unter eine Million gesunken; im Jahr 2004 waren es noch 2,6 Millionen.

Angesichts der im Jahr 2020 aufgetretenen Corona-Pandemie, die ab März auch Deutschland erfasste, wird für das Prognosejahr 2020 keine weitere Ver­besserung für diese beiden Komponenten mehr erwartet. Es muss sogar mit einer deutlichen Verschlechterung der Arbeitsmarktzahlen gerechnet werden, mit der Möglichkeit eines massiven Anstiegs der Unterbeschäftigung. Welche Komponente stärker betroffen ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Plausibel ist zunächst ein stärkerer Anstieg der Erwerbslosenzahlen, weil viele Erwerbslose zunächst Ansprüche auf Leistungen nach dem SGB III (Arbeitslosengeld) geltend machen können.

Datentabellen:
Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials (Inlandskonzept) in Deutschland (xls, 38 KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Zusammensetzung des Erwerbspersonenpotenzials (Inlandskonzept) in Deutschland (xls, 40 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Arbeitskräftebedarfsprojektion nach Berufshauptgruppen 2015-2035

Es zeigt sich, dass bei bislang anhaltenden Entwicklungen und bestehenden Verhaltensweisen der Wirtschaft und der Erwerbspersonen – trotz Berücksichtigung von beruflicher Mobilität – Passungsprobleme zwischen Angebot und Nach­frage auf fachlicher Ebene entstehen werden. Engpässe erscheinen dabei in den Berufshaupt­gruppen "Land-, Tier- und Forstwirtschaftsberufe", "Schutz-, Sicherheits- und Überwachungsberufe" sowie im gesundheitlichen und sozialen Bereich. Letzterer ist dabei durch eine gegenläufige Ent­wicklung im medizinisch-gesundheitlichen Bereich und den "Lehrenden und ausbildenden Berufen" gekennzeichnet. So zeigen sich in den medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen ab 2025 deutliche Engpässe. Dagegen zeigt sich in den "Lehrenden und ausbildenden Berufen" ein stetig ansteigender Angebotsüberhang, der sich bis 2035 auf über 175 Tausend Personen belaufen wird. Grund dafür ist die durch die stetig alternde Bevölkerung wachsende Nachfrage nach Pflege- und Gesundheitsleistungen auf der einen Seite und eine rückläufige Anzahl von Schüler/-innen und Studierenden und damit eine sinkende Nachfrage nach Lehrtätigkeiten auf der anderen Seite.

Grundsätzlich ist bei dieser Betrachtung der zukünftigen Entwicklung in Bezug auf mögliche Engpässe oder Überhänge zu berücksichtigen, dass es sich hierbei um aggregierte Berufs­hauptgruppen handelt. Darunter zusammengefasste Berufe können abweichende Entwicklungen aufweisen. So können z. B. bei hochspezialisierten Einzelberufen sehr wohl Engpässe auftreten, obwohl die Berufshauptgruppe als Aggregat auf einen Überhang hindeutet.

Datentabelle:
Differenz von Erwerbstätigen und Erwerbspersonen unter Berücksichtigung der beruflichen Flexibilität nach Berufshauptgruppen (xls, 48 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

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