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Arbeitsorganisation

Laptop mit Kalenderansicht auf dem Bildschirm, Schreibblock, Smartphone und Kaffeetasse (Quelle: conejota/iStock) Quelle: conejota/iStock

Neben Arbeitsinhalten und -umgebung prägt die Form der Arbeitsorganisation ganz wesentlich die Arbeitsbedingungen. Vor allem die Arbeitszeit ist ein bekannter Belastungsfaktor. Zugleich nehmen flexible Arbeitsformen immer mehr zu. Das stellt besondere Herausforderungen an eine gute Gestaltung von Arbeit und Work-Life-Balance.

Rahmenbedingungen im Spannungsfeld zwischen Flexibilisierung und Verträglichkeit
Psychische Belastungen können nicht nur aus dem Arbeitsinhalt, sondern auch aus der Arbeitsorganisation entstehen. Eines der wichtigsten Merkmale des Arbeitslebens und gleichzeitig ein bekannter Belastungsfaktor ist die Arbeitszeit. Dabei geht es nicht nur um die Dauer der wöchentlich geleisteten Arbeitszeit, sondern auch darum, zu welcher Tageszeit und in welchem Rhythmus diese ausgeübt wird und ob Pausen eingehalten werden. Im Zuge des Wandels der Arbeit sind eine Zunahme flexibler Arbeitsformen (z. B. Schichtarbeit, Wochenendarbeit) sowie Veränderungen der Arbeitszeitorganisation festzustellen. Diese Flexibilisierung des Arbeitsmarktes birgt spezielle Herausforderungen für die Arbeitsgestaltung und Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Da sich flexible Arbeitszeiten auf das Privat- und Familienleben der Beschäftigten auswirken können, ist auf eine gute Work-Life-Balance zu achten. So können durch besondere Arbeitszeitformen die Möglichkeiten am sozialen Leben (z. B. Familie, Freunde/Freundinnen, Sportvereine) teilzunehmen eingeschränkt sein. Aber auch unter günstigeren zeitlichen Rahmenbedingungen der Arbeit kann die Vereinbarkeit der Bereiche Beruf und Privat- bzw. Familienleben beeinträchtigt sein, zum Beispiel wenn Beschäftigte bei der Arbeitszeitplanung seltener auf familiäre und private Interessen Rücksicht nehmen können.

Arbeitszeit und Arbeitszeitformen der Beschäftigten

Tatsächliche Wochenarbeitszeit nach Geschlecht und Alter 2015

Die BAuA-Arbeitszeitbefragung erhebt u.a. die tatsächliche Wochenarbeitszeit von Beschäftigten. Hierfür werden sie gefragt, wie viele Stunden sie normalerweise im Durchschnitt pro Woche in ihrer beruflichen Tätigkeit, einschließlich regelmäßig geleisteter Überstunden, Mehrarbeit, Bereitschaftsdienst etc. arbeiten. Männer und Frauen werden nach Altersgruppen differenziert (15 - 34 Jahre, 35 - 49 Jahre, 50 - 64 Jahre) miteinander verglichen. Die erfassten Wochenarbeitszeiten werden in fünf Kategorien, von 10 - 19 Stunden bis maximal 48 Stunden und mehr, dargestellt.

Gestapeltes Säulendiagramm, das die tatsächliche Wochenarbeitszeit der Beschäftigten nach Geschlecht und Alter 2015 zeigt. Wird im Text erläutert. Tatsächliche Wochenarbeitszeit nach Geschlecht und Alter 2015 Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

Die häufigste Wochenarbeitszeit von Männern beträgt altersgruppenübergreifend 40 bis 47 Stunden (um 53 %). Am zweithäufigsten liegt sie bei mindestens 48 Stunden, wobei Männer höheren Alters das etwas seltener berichten (22 %) als Jüngere (15 - 34 Jahre: 23 %, 35 - 49 Jahre: 25 %). Eine Wochenarbeitszeit von bis zu 34 Stunden trifft nicht einmal auf jeden zehnten Mann zu. Auffällig dabei aber ist, dass jüngere Männer mit fast fünf Prozent erkennbar häufiger eine Wochenarbeitszeit von weniger als 20 Stunden berichten als Ältere. Unter den Männern mittleren und höheren Alters hingegen ist es jeweils nur etwa ein Prozent.

Bei den Frauen hingegen zeigt sich ein anderes Bild. Im Vergleich zu den Männern arbeiten sie insgesamt seltener 40 Stunden und mehr die Woche (Frauen: 35 - 55 %, Männer: 75 - 80 %), dafür öfter weniger als 35 Wochenstunden (Frauen: 31 - 48 %, Männer: 5 - 9 %). Zudem fällt auf, dass sich die Situation der jüngeren Frauen deutlich von der der Frauen mittleren und höheren Alters unterscheidet. So haben knapp 42 % der 15- bis 34-Jährigen eine Wochenarbeitszeit von 40 bis 47 Stunden, weitere 13 % arbeiten sogar noch mehr Stunden in der Woche. Bei den beiden anderen Altersgruppen liegen die Werte mit um die 30 % (40 - 47 Stunden) bzw. 7 % (48 Stunden und mehr) deutlich niedriger. Demgegenüber berichten Frauen mittleren und höheren Alters am häufigsten, eine Wochenarbeitszeit von 20 - 34 Stunden zu haben. Während es hier jeweils rund ein Drittel ist, beträgt der Anteil bei den 15- bis 34-Jährigen nur rund ein Fünftel.

Datentabelle:
Tatsächliche Wochenarbeitszeit: Beschäftigte nach Geschlecht und Alter 2015 (xls, 40 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Schicht- und Wochenendarbeit nach Geschlecht und Alter 2015

Atypische Beschäftigungsformen sind heutzutage verbreiteter als früher. Dazu gehören besondere Arbeitszeitmodelle wie Schicht- bzw. Nachtarbeit und Wochenend-/Feiertagsarbeit. Die BAuA-Arbeitszeitbefragung erhebt, wie viele Beschäftigte in Schichtarbeit und in welcher Form von Schichtarbeit arbeiten und wie viele Beschäftigte mindestens gelegentlich an Samstagen oder Sonn- und Feiertagen arbeiten. Im Folgenden werden Männer und Frauen nach Altersgruppen differenziert (15 - 34 Jahre, 35 - 49 Jahre, 50 - 64 Jahre) miteinander verglichen.

Schichtarbeit (mit oder ohne Nachtschichtanteil) kommt recht selten vor, weniger als zehn Prozent der Beschäftigten sind davon betroffen. Dabei ist Nachtarbeit unter Männern etwas weiter verbreitet als unter Frauen (8 - 9 % vs. 5 - 6 %). Mit fast fünf Prozent nannten nur geringfügig weniger Männer Schichtarbeit ohne Nachtschichtanteil zu haben als Frauen (ca. 6 %). Bei beiden Geschlechtern nimmt Schichtarbeit mit dem Alter ab. Einzig bei Schichtarbeit, die sich nicht über die Nacht erstreckt, ist unter den Frauen die mittlere Altersgruppe – wenn auch nur mit einem leicht geringeren Wert – am wenigsten betroffen.

Die häufigste Form der Wochenendarbeit ist die Samstagsarbeit. Das trifft altersgruppenübergreifend auf etwa die Hälfte der Frauen und auf fast zwei Drittel der Männer zu. Bei der Sonntags-/Feiertagsarbeit ist der Geschlechterunterschied generell deutlich geringer: 37 - 40 % der Männer und 33 - 36 % Frauen arbeiten (gelegentlich) an diesen Tagen. Im Altersgruppenvergleich zeigt sich, wenn auch nur mit geringen Unterschieden, dass bei den Frauen die Jüngeren am häufigsten angeben an Wochenend-/Feiertagen zu arbeiten (samstags: 54 %, sonn-/feiertags: 36 %). Bei den Männern hingegen kommt dies am häufigsten im mittleren Alter vor (samstags: 65 %, sonn-/feiertags: 40 %).

Datentabelle:
Schicht- und Wochenendarbeit: Beschäftigte nach Geschlecht und Alter 2015 (xls, 42 KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Work-Life-Balance

Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance nach Geschlecht und Alter 2015

Der Ausgleich zwischen Arbeit und Privatleben wird als Work-Life-Balance bezeichnet. In der BAuA-Arbeitszeitbefragung wurde erfasst, wie zufrieden Beschäftigte mit ihrer Work-Life-Balance sind. Dabei konnten sie zwischen den Einschätzungen "sehr zufrieden", "zufrieden", "weniger zufrieden" und "nicht zufrieden" wählen. Es werden Männer und Frauen nach Altersgruppen differenziert (15 - 34 Jahre, 35 - 49 Jahre, 50 - 64 Jahre) miteinander verglichen.

Die große Mehrheit der Beschäftigten ist altersgruppenübergreifend mit der Work-Life-Balance zufrieden bzw. sehr zufrieden (jeweils mehr als 70 %). Der höchste Anteil an solch positiven Einschätzungen findet sich bei den Frauen im Alter von 50 bis 64 Jahren (81 %), der geringste Anteil bei den Männern im Alter von 15 bis 34 Jahren (73 %).

Bei beiden Geschlechtern nehmen positive Einschätzungen (zufrieden/sehr zufrieden) mit dem Alter zu, wobei die Unterschiede zwischen den jüngsten und ältesten Beschäftigten eher gering ausfallen (Männer: 5 %, Frauen: 7 %). Im Vergleich fällt aber auf, dass rund jede dritte Frau mittleren oder höheren Alters ihre Situation als sehr zufriedenstellend bewertet, während es unter den jüngeren Frauen nur etwa jede Vierte ist. Bei den Männern hingegen liegen die Werte aller drei Altersgruppen bei etwa 25 %.

Negativere Einschätzungen (weniger zufrieden/nicht zufrieden) zeigen sich bei Männern wie Frauen am häufigsten bei den Jüngsten und nehmen entsprechend mit dem Alter ab. Nur ein geringer Teil der Beschäftigten ist mit der Work-Life-Balance nicht zufrieden (4 - 7 %). Bei den Frauen sind es vor allem die Jüngeren (knapp 7 %), bei den Männern die Beschäftigten jüngeren und mittleren Alters (jeweils rund 6 %).

Datentabelle:
Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance: Beschäftigte nach Geschlecht und Alter 2015 (xls, 42 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Betriebliche Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf 2012 und 2016

Vereinbarkeit von Familie und Beruf nimmt in Zeiten demografischen Wandels an Bedeutung zu. Sie fördert bzw. ermöglicht nicht nur Frauenerwerbstätigkeit bei gleichzeitigem Kinderwunsch, sondern wird auch aufgrund des wachsenden Pflege- und Betreuungsbedarfs in einer alternden Gesellschaft wichtiger. Häufig werden derartige Unterstützungsaufgaben noch von Angehörigen geleistet. Um diesen bei Berufstätigkeit angemessen nachkommen zu können, bedarf es vor allem flexibler Arbeitszeitregelungen. Entsprechend sind hier ebenso Arbeitgeber gefordert.

Balkendiagramm, das die betriebliche Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland in den Jahren 2012 und 2016 zeigt. Wird im Text erläutert. Betriebliche Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf 2012 und 2016 Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

In den Erhebungswellen 2012 und 2016 des IAB-Betriebspanels wurden die Betriebe daher gefragt, ob sie Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern haben. Am häufigsten sind Maßnahmen zur Anpassung der Arbeitszeit, sei es Teilzeitarbeit oder home office vorhanden. So gab in 2012 ein Viertel der Betriebe an, den Beschäftigten ein solches Angebot zu unterbreiten. Dieser Wert ist in 2016 auf nahezu 30 % gestiegen. Fast 10 % der Betriebe können ihren wegen Elternzeit freigestellten Beschäftigten Angebote machen. Und knapp 8 % unterstützen ihre Beschäftigten bei der Kinderbetreuung. Noch seltener werden Maßnahmen zur gezielten Förderung von Frauen sowie Unterstützungsleistungen für Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen angeboten. Auch ist nur rund 2 % der Betriebe Mitglied in einem Netzwerk familienfreundlicher Arbeitgeber. Im Vergleich zu 2012 fällt auf, dass die Anteile von Betrieben, die angeben Beschäftigte bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, gestiegen sind. Bei der gezielten Förderung von Frauen gab es keine Veränderung.

Datentabelle:
Betriebliche Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf 2012 und 2016 (xls, 40 KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Lebensformen in Deutschland

Lebensformen der erwachsenen Bevölkerung 1996 - 2017

Politik und Gesellschaft fordern zunehmend eine bessere Vereinbarkeit von Familie/Privatleben und Beruf. Um dem nachkommen zu können, müssen Arbeitgeber in einem gewissen Maße die Lebenssituation ihrer Beschäftigten kennen. Verschiedene Lebensformen stellen schließlich unterschiedliche Anforderungen an die Arbeitsorganisation, weil z. B. junge ledige Personen andere Ressourcen und Zeitkapazitäten haben bzw. aufwenden können als alleinerziehende Elternteile.

In den letzten Jahrzehnten hat sich im Bereich der Lebensformen ein enormer Wandel vollzogen. Die zahlenmäßige Dominanz der Familienform "Ehepaar mit Kindern", die in den 1950er und frühen 1960er Jahren ihren Höhepunkt fand, ging deutlich zurück. Kinderlose Ehen sowie Lebensformen ohne den institutionellen Charakter der Ehe gewannen hingegen an Bedeutung. Auch die Stigmatisierung sogenannter "alternativer" Lebensformen wurde weitgehend überwunden. Allein zwischen 1996 und 2017 sank der Anteil verheirateter Paare mit Kindern im Haushalt von 18,9 % auf 14,0 % ab, die Zahl der Lebensgemeinschaften mit Kindern hingegen verdoppelte sich in dieser Zeit.

Betrachtet man heute die erwachsene Bevölkerung nach ihrer Lebensform, so wohnen 35 % von ihnen als Ehepaar ohne minderjährige Kinder zusammen. Die zweitgrößte Gruppe stellen Alleinstehende mit 27 % und erst an dritter Stelle kommen mit 17 % Ehepaare mit minderjährigen Kindern im Haushalt. Allerdings ist anzumerken, dass die Verbreitung Alleinstehender und kinderloser Ehepaare insbesondere dadurch zugenommen hat, dass sich diese Lebensformen im Normallebenslauf als neue Lebensphasen vor die Ehe mit Kindern geschoben haben: Die Mehrheit der Deutschen strebt nach wie vor eine "klassische" Kernfamilie an – jedoch erst, nachdem man eine Weile alleine gelebt, sich als Paar gefunden und gefestigt und eine Zeit lang kinderlos zusammengewohnt hat. Nach wie vor lebt der überwiegende Teil aller minderjährigen Kinder bei ihren verheirateten Eltern, wobei es erhebliche West-Ost-Unterschiede gibt. Während im Westen drei von vier Kindern bei verheirateten Eltern leben, tut dies in Ostdeutschland nur etwa jedes zweite Kind.

Datentabelle:
Bevölkerung nach Lebensformen in Deutschland (xls, 54 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

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