GSB 7.0 Standardlösung

Berufliche Qualifikationen

Durch Bücherstapel verschiedener Farbe und Größe symbolisierte Treppe, deren Endstufe mit einem Doktorhut versehen ist (Quelle: mrhighsky/iStock) Quelle: mrhighsky/iStock

Um die Herausforderungen durch den Strukturwandel der Wirtschaft und die demografischen Veränderungen bewältigen zu können, bedarf es Informationen über das Ausbildungsverhalten junger Menschen und die vom Arbeitsmarkt zukünftig nachgefragten beruflichen Qualifikationen.

Ausbildungsmarkt muss zukünftigen Qualifikationsbedarf decken
Dabei stellt sich die Frage, welche Qualifikationen am Arbeitsmarkt (der Zukunft) benötigt werden. Mögliche Entwicklungen können anhand von Modellrechnungen aufgezeigt werden, indem in der Vergangenheit beobachtete Bestände, Übergänge, Trends und Verhaltensweisen im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt fortgeschrieben werden. Welche Ausbildungen streben junge Menschen nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule an und wie entwickelt sich das Verhältnis von Berufsausbildung zu Studium? Strukturen und Entwicklungen des beruflichen (Aus-)bildungsgeschehens können mit Hilfe der integrierten Ausbildungsberichterstattung (iABE), einem bundeseinheitlichen Berichtssystem, abgebildet werden. Personen, die über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, werden es in Zukunft noch schwerer haben, eine Beschäftigung zu finden. Wünschenswertes Ziel ist es daher, den Anteil junger Erwachsener ohne Berufsausbildung zu reduzieren.

Qualifikation verschiedener Personengruppen

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Berufsabschluss 2013 - 2016

Der demografische Wandel führt bereits in einigen Branchen zu einem Fachkräftemangel. Dieser kann nur erfolgreich bewältigt werden, wenn erwerbsfähige Personen berufliche Qualifikationen mitbringen, die der Arbeitsmarkt auch nachfragt. Wie sich die Qualifikationsstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten darstellt, zeigt vorliegende Beschäftigungsstatistik. Dabei wird in der Regel zwischen folgenden Abschlussarten unterschieden: ohne Berufsabschluss, anerkannter Berufsabschluss, akademischer Berufsabschluss und keine Angabe, wenn keine diesbezüglichen Informationen vorliegen.

Circa 62 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland verfügten 2016 über einen anerkannten, nicht-akademischen Berufsabschluss. Der Anteil der Akademiker lag bei rund 15 %, der Anteil der Beschäftigten ohne Berufsabschluss bei 12 %. Für rund 11 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegen keine Informationen zum Berufsabschluss vor. Verglichen mit 2013 sind die Werte relativ stabil geblieben. Am stärksten vergrößert hat sich der Anteil der Beschäftigten mit akademischen Berufsabschluss (+1,8 Prozentpunkte).

Datentabelle:
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland nach Berufsabschluss (xls, 41KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Junge Erwachsene ohne Berufsausbildung 1996 - 2015

Der Anteil junger Erwachsener im Alter von 20 bis 34 Jahren ohne Berufsausbildung ist, Berechnungen auf Basis des Mikrozensus (MZ) zufolge, 2015 gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. So lag die nfQ-Quote 2015 bei 13,4 % (1,95 Mio. Personen), was einen Anstieg um ca. 1 % (etwa 21 Tsd. Personen) gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Da der Anteil der nfQ 2014 mit 13,3 % im Konfidenzintervall von 13,2 % bis 13,6 % liegt, ist zu beachten, dass diese Ergebnisse nur mit Vorsicht als ein sich abzeichnender Trend zu interpretieren sind.

Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre lag die Ungelerntenquote zwischen 14 % und 15 %. Eine Ausnahme war das Jahr 2000 mit 13,9 %. Seit 2005 werden die Werte auf Basis einer veränderten Erhebungsmethode ermittelt (vgl. Dorau/Herter-Eschweiler/Braun 2016). Aufgrund dessen betrug der Anteil der Ungelernten 17,3 %. Für 2006 wurden 17,4 % ermittelt. Seitdem ist die Quote kontinuierlich gesunken. In den Jahren 2011 bis 2015, die auf Basis des Zensus aus dem Jahre 2011 berechnet wurden, lagen die Werte zwischen 13 % und 14 %.

Datentabelle:
Junge Erwachsene (20-34 Jahre) ohne Berufsausbildung in Deutschland (xls, 42KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Angebot und Nachfrage von Qualifikationen

Relative Entwicklung der Bildungssektoren 2005 - 2016

Das Ausbildungsgeschehen erfasst die Bildungsgänge nach dem Ende der Sekundarstufe I bzw. der allgemeinbildenden Schule. Es werden folgende vier Bildungssektoren unterschieden:

  • Berufsausbildung
  • Integration in Berufsausbildung/Übergangsbereich
  • Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung
  • Studium (vgl. iABE).

Der Anteil der Anfänger/-innen des jeweiligen Sektors an der Summe aller Anfänger/-innen im Ausbildungsgeschehen zeigt die Bedeutung des jeweiligen Bildungssektors im Vergleich zu den anderen Sektoren auf.

Im Jahr 2016 begannen 34,7 % (705.407) der Anfänger/-innen des (Aus-)Bildungsgeschehens eine vollqualifizierende Berufsausbildung. Von diesen starteten 68,1 % (480.169) eine duale Ausbildung nach BBiG/HwO, 31,9 % begannen eine schulische Berufsausbildung. Hiervon entfielen 24,7 % (174.380) auf Berufsausbildungen in Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialberufen. In den "Übergangsbereich" mündeten 298.781 Jugendliche (14,7 %) ein. 25,4 % (514.875) strebten den Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung (HZB) an. Zugleich begannen 25,2 % ein "Studium" (511.020).

Die Sektoren zeichneten sich jedoch durch sehr unterschiedliche Entwicklungsdynamiken aus. Der Sektor "Berufsausbildung" verzeichnet seit 2005 einen leichten Rückgang (-4,6%). Die steigenden Anzahlen der Anfänger/-innen im Sektor "Erwerb der Hochschulreife" (+13,3%) und "Studium" (+39,5%) verweisen auf einen Trend zur Höherqualifizierung.

Datentabelle:
Relative Entwicklung der Bildungssektoren in Deutschland (xls, 38KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Arbeitskräftebedarfsprojektion nach Qualifikationsniveau 2005 - 2035

Mit der 4. Projektionswelle der BIBB-IAB-Projektionen wird erstmals das Anforderungsniveau, das seitens des Arbeitsplatzes an die Erwerbstätigen gerichtet ist, erfasst und projiziert. Dies ermöglicht das Arbeitsangebot an Qualifikationen mit den tatsächlichen Arbeitsanforderungen an die Arbeitskräfte zu vergleichen. In bisherigen Projektionen konnte aufgrund mangelnder Daten lediglich der Anteil an Personen mit einem bestimmten Qualifikationsniveau innerhalb eines Berufsfeldes betrachtet werden, womit implizit unterstellt wurde, dass alle Personen qualifikationsadäquat arbeiten. Mit der neuen Klassifikation der Berufe 2010 steht nun eine informativere Datengrundlage zur Verfügung.

Liniendiagramm, das den Arbeitskräftebedarf in Deutschland nach Qualifikationsniveau bis 2035 zeigt. Wird im Text erläutert. Arbeitskräftebedarfsprojektion nach Qualifikationsniveau 2005-2035 Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Destatis

Ein Vergleich des Arbeitsangebotes nach Qualifikationen mit der Arbeitsnachfrage nach Anforderungsniveaus zeigt: In der Vergangenheit war der Bedarf an Erwerbstätigen mit komplexen Spezialisten- und hoch komplexen Tätigkeiten höher als das Angebot an Personen mit akademischen Abschluss bzw. Meister-/Techniker-/Fortbildungsabschluss. Aufgrund des zukünftig starken Anstiegs an Akademikern wird rechnerisch jedoch ab ca. 2023 das Angebot die Nachfrage übersteigen.

Das Angebot an Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung sinkt hingegen stärker als der Bedarf an fachlich ausgerichteten Tätigkeiten und der Bedarf an Helfertätigkeiten geht weniger stark zurück als das Angebot an Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

Datentabelle:
Erwerbstätige und Erwerbspersonen nach Qualifikations- (ISCED) bzw. Anforderungsniveau (xls, 42KB, Datei ist nicht barrierefrei)

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