GSB 7.0 Standardlösung

Berufliche Mobilität

Geschäftsmann mit Trolley und Aktentasche vor einer Gebäudeglasfassade gehend (Quelle: Visivasnc/iStock) Quelle: Visivasnc/iStock

In einem flexibilisierten und globalisierten Arbeitsmarkt wird die räumliche Beweglichkeit der Arbeit immer bedeutsamer. Das heißt zugleich, dass Arbeitskräfte heutzutage mobiler sein müssen als früher. Berufsbedingte Umzüge und längere Wege zum Arbeitsplatz sind häufig die Folge.

Das Berufsleben von heute fordert mehr Mobilität
In einem immer stärker flexibilisierten und globalisierten Arbeitsmarkt wird die räumliche Beweglichkeit der Arbeit selbst und damit auch der Arbeitskräfte zunehmend bedeutsam. Diese Entwicklung wird flankiert durch eine gestiegene Bildungs- und Erwerbsbeteiligung von Frauen. In der Folge spielen neben berufsbedingten Umzügen zunehmend auch kurzzeitige, häufig täglich oder wöchentlich wiederkehrende Formen räumlicher Mobilität eine zentrale Rolle. Auslandsaufenthalte, Fernumzüge, Fern- und Wochenendpendeln sowie häufige Dienstreisen gehören für immer mehr Menschen zumindest phasenweise zu ihrem Erwerbsleben dazu.

Berufsbedingte Mobilität hat verschiedene Ursachen
Insgesamt hat bereits etwa jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland Erfahrungen mit Berufsmobilität gesammelt. Mit rund zwei Dritteln machen dabei die zirkulären Pendel-Formen den größten Teil dieses Mobilitätsgeschehens aus. Entsendungen durch den Arbeitgeber, die Aussicht auf beruflichen Aufstieg, aber auch befristete Arbeitsverträge sind Beispiele für eine Vielzahl von Gründen, berufsbedingt mobil zu werden. Diese Mobilität ist ein wesentliches Element der bevölkerungsbezogenen Prozesse in Deutschland und hat in vielfacher Hinsicht Bedeutung für die demografische Entwicklung.

Berufsbedingte räumliche Mobilität

Berufsbedingte Umzüge von Haushalten 1985 - 2013

Im Durchschnitt der letzten 30 Jahre zogen pro Jahr rund 1 % der Haushalte aus beruflichen Gründen um, wobei dieser Anteil im Zeitverlauf schwankte. Zum Vergleich: Der Anteil der im Jahr 2013 insgesamt umgezogenen Haushalte betrug etwa 6 %. Die jährlich berufsbedingt umgezogenen Haushalte werden hierbei über die Angaben zur Dauer, seit der die Wohnung bereits bewohnt wird – in diesem Fall maximal zwölf Monate – sowie über die Gründe für den Wohnungswechsel identifiziert. Während im Jahr 1985 rund 0,9 % der Haushalte angaben, in den letzten zwölf Monaten berufsbedingt umgezogen zu sein, stieg dieser Anteil nach einer zwischenzeitlichen Abnahme Anfang der 1990er Jahre bis 1999 auf 1,8 % und somit auf den höchsten Wert im betrachteten Zeitraum. Danach sank er wieder und erreichte nach einem Zwischenhoch in den Jahren 2007 bis 2009 im Jahr 2013 mit rund 0,9 % wieder den Wert von 1985. Unter den berufsbedingt umgezogenen Haushalten sind Einpersonenhaushalte mit rund zwei Dritteln überproportional stark vertreten.

Datentabelle:
Berufsbedingte Umzüge von Haushalten in Deutschland (xls, 40KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Pendelentfernung zur Arbeitsstätte im Zeitvergleich

Gestapeltes Säulendiagramm, das für ausgewählte Jahre seit 1991 die Pendelentfernung zur Arbeitsstätte zeigt. Wird im Text erläutert. Pendelentfernung zur Arbeitsstätte im Zeitvergleich Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Destatis

Der Anteil der Erwerbstätigen, die längere Strecken für den Weg zur Arbeit auf sich nehmen, ist angestiegen. Während 1991 noch für 62,6 % der Erwerbstätigen die Entfernung zur Arbeitsstätte weniger als 10 Kilometer betrug (einfache Strecke), traf das im Jahr 2012 nur noch für 53,4 % zu. Fast 5 % davon hatten ihre Wohnung und Arbeitsstätte auf dem gleichen Grundstück (1991: 9,6 %). Der Anteil der Erwerbstätigen mit einer Wegstrecke zwischen 10 und 25 Kilometern blieb in den vergangenen rund 20 Jahren hingegen weitgehend unverändert. 25 Kilometer und mehr von der Wohnung entfernt lag die Arbeitsstätte im Jahr 2012 für 16,8 % der Berufstätigen, 1991 für nur 11,0 %. Rund 3 % der Erwerbstätigen hatten im Jahr 2012 wechselnde Arbeitsorte.

Datentabelle:
Pendelentfernung zur Arbeitsstätte (xls, 40KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Zeitaufwand für das Pendeln zur Arbeitsstätte im Zeitvergleich

Mit der Verlängerung der zurückgelegten Distanzen zur Arbeitsstätte (siehe "Pendelentfernung zur Arbeitsstätte im Zeitvergleich") sind zugleich auch die Fahrtzeiten angestiegen. Während 1991 jeder fünfte Erwerbstätige mehr als 30 Minuten für den Weg zur Arbeit benötigte, war es 2012 schon jeder Vierte. Überproportional vertreten sind unter den sog. Fernpendlern (Zeitaufwand für Anfahrtsweg zur Arbeitsstätte über 60 Minuten) Personen, die mit einem Partner und Kindern im Haushalt leben. Bei diesen Personengruppen muss häufig ein Kompromiss zwischen Arbeitsstätte (unter Umständen beider Partner), familien- und kinderfreundlicher Umgebung und bezahlbarem Wohnraum gefunden werden. Eine Differenzierung nach Geschlecht zeigt zusätzlich, dass generell, vor allem aber in Partnerschaften, Männer die Fernpendler sind. So machen sie rund zwei Drittel aller Fernpendler aus.

Datentabelle:
Zeitaufwand für das Pendeln zur Arbeitsstätte (xls, 40KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Pendlerverflechtungen nach Bundesländern 2015

Flexible Arbeitsmärkte verlangen dem Arbeitnehmer ein hohes Maß an Mobilität ab. So ist berufliche Mobilität heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Sie drückt sich ebenso in Pendlerverflechtungen aus. Pendler sind alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, deren Arbeitsgemeinde sich von der Wohngemeinde unterscheidet. Ob und wie häufig gependelt wird, ist unerheblich. Die Wohnortgemeinde kann auch im Ausland liegen. Pendler werden nach Ein- und Auspendlern unterschieden: Einpendler sind Personen, die in ihrer Arbeitsgemeinde nicht wohnen, Auspendler sind Personen, die in ihrer Wohngemeinde nicht arbeiten. Aufgrund des Inlandskonzepts der Beschäftigungsstatistik können nur Einpendler aus dem Ausland nachgewiesen werden, Auspendler in das Ausland jedoch nicht.

Bezogen auf das Bundesland waren für rund 27,6 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Wohn- und Arbeitsort identisch (Stichtag 30.06.2015). Rund 3,2 Mio. Beschäftigte pendelten zwischen den Bundesländern. Besonders markant sind auf dieser räumlichen Ebene die Verflechtungen der Stadtstaaten mit den sie umgebenden Bundesländern. So summierte sich der Anteil der Einpendler unter den in Bremen und Hamburg Beschäftigten auf jeweils etwa zwei Fünftel und der Anteil der Auspendler auf rund ein Fünftel. In der Hauptstadt lagen die Werte bei 21 % (Einpendler) und 14 % (Auspendler). Neben den Stadtstaaten zählen Nordrhein-Westfalen, Hessen, das Saarland, Baden-Württemberg und Bayern zu den Bundesländern, in die mehr Beschäftigte ein- als auspendeln. Darüber hinaus pendelten deutlich mehr Menschen von Ost- nach Westdeutschland als in die umgekehrte Richtung (Pendlersaldo: 263.900).

Datentabelle:
Ein- und Auspendler nach Bundesländern 2015 (xls, 40KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Stellenwechselabsicht

Stellenwechselabsicht bei Beschäftigten ab 40 Jahren 2014

Ein Merkmal des deutschen Arbeitsmarkts ist die vergleichsweise hohe Stabilität der Arbeitsverhältnisse. Es herrscht kein ständiges Kommen und Gehen der Beschäftigten. Dazu trägt einerseits der Kündigungsschutz bei, andererseits auch die Betriebstreue der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Der Großteil der Beschäftigten möchte auf der eigenen Stelle bleiben. Neben der Zufriedenheit mit der Arbeit wird dies auch mit einer gewissen Risikoscheu in Verbindung gebracht.

Balkendiagramm, das den Anteil der abhängig Beschäftigten ab 40 Jahren, die einen Stellenwechsel beabsichtigen, nach verschiedenen Merkmalen im Jahr 2014 zeigt. Wird im Text erläutert. Stellenwechselabsicht bei Beschäftigten ab 40 Jahren 2014 Quelle: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)

Mit steigendem Alter verstärkt sich die Bleibe-Orientierung. Das zeigt sich unter anderem in der mit 8,7 % relativ geringen und mit dem Alter weiter abnehmenden Absicht der Beschäftigten, in nächster Zeit die Stelle zu wechseln. Während es bei den 40- bis 54-Jährigen noch 10,4 % sind, reduziert sich der Anteil bei den 55-Jährigen und Älteren auf 4,5 %. Die Mobilitätsorientierung hängt auch vom Qualifikationsniveau ab. Höhergebildete planen häufiger einen Stellenwechsel (10,3 %) als Beschäftigte mit mittlerem Qualifikationsniveau (7,1 %). Auch überdurchschnittlich viele Geringqualifizierte möchten eine andere Arbeitsstelle. Hier sind es mit jedem Zehnten fast genauso viele wie unter den höhergebildeten 40-jährigen und älteren Beschäftigten. Stellenwechsel sind häufig eine Voraussetzung zur Realisierung beruflicher Aufstiege.

Datentabelle:
Abhängig Beschäftigte ab 40 Jahren mit der Absicht, in nächster Zeit die Stelle zu wechseln 2014 (xls, 33KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Zusatzinformationen

Datenquellen der Textinhalte

Zu den Datenquellen:

Deutscher Alterssurvey
Mikrozensus
Sozio-oekonomisches Panel
Statistik der sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigung

Publikationen zum Thema

Ansprechpartner zum Thema

Logo des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB)
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)
Friedrich-Ebert-Allee 4
65185 Wiesbaden
Kontaktdaten
Telefon: +49 (0)611 75-2235
Fax: +49 (0)611 75-3960
Logo des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Regensburger Straße 104
90478 Nürnberg
Kontaktdaten
Telefon: +49 (0)911 179-3010
Fax: +49 (0)911 179-5597
Logo des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA)
Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)
Manfred-von-Richthofen-Straße 2
12101 Berlin
Kontaktdaten
Telefon: +49 (0)30 260740-0
Fax: +49 (0)30 7854350
E-Mail: dza@dza.de

Inhaltliche Beiträge zum Thema von:

  • Logo der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
  • Logo des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB)
  • Logo des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB)
  • Logo des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA)
  • Logo des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
  • Logo des Robert Koch-Instituts (RKI)