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Renteneintritt

Älteres Paar in Rückenansicht auf einer Parkbank sitzend (Quelle: sculpies/iStock) Quelle: sculpies/iStock

Der Renteneintritt markiert den Beginn der Lebensphase nach dem Erwerbsleben. Dieser wird durch die gesetzliche Rentenaltersgrenze vorgegeben, hängt aber im Einzelfall auch von der gesundheitlichen und beruflichen Situation ab. Jeder Renteneintritt bedeutet zugleich einen Verlust an Arbeitskraft.

Verschiedene Rentenarten charakterisieren das Berentungsgeschehen in Deutschland
Ein wesentlicher Faktor bei der Betrachtung des Erwerbspersonenpotenzials mit Blick auf die demografischen Veränderungen ist das Berentungsgeschehen. Man unterscheidet Renten wegen Alters und Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Neben den sogenannten Regelaltersrenten gibt es verschiedene vorgezogene Altersrenten für unterschiedliche Gruppen von Erwerbstätigen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen und in der Regel nur für bestimmte Geburtsjahrgänge gelten. So gibt es Sonderregelungen für langjährig Versicherte (mit mindestens 35 Versicherungsjahren) und seit 2012 auch für besonders langjährig Versicherte (mit mindestens 45 Versicherungsjahren), für Schwerbehinderte, für Frauen, für Arbeitslose und Personen in Altersteilzeit. Für beide Rentenarten ist im Kontext des demografischen Wandels die zeitliche Veränderung von besonderem Interesse. Diese steht daher hier im Vordergrund.

Rentenbestand und -zugänge in Deutschland

Rentenbestand nach Rentenarten und Geschlecht 1993 - 2014

In Deutschland gab es 2014 19,6 Millionen Versichertenrenten, von denen 17,9 Millionen eine Altersrente bezogen. Die Zahl der Altersrenten ist dabei für beide Geschlechter seit 1993 stark angestiegen: 1993 waren 4,8 Millionen Männer und 7,4 Millionen Frauen in Altersrente, 2014 waren es 7,9 Millionen Männer (+65 %) und 9,9 Millionen Frauen (+33 %).

Bei den Erwerbsminderungsrenten haben sich beide Geschlechter in den letzten 20 Jahren erheblich angenähert. Während die Zahl bei Männern um 24 % auf 875 Tausend abgenommen hat (1993: 1.147 Tausend), hat diese bei den Frauen um 22 % auf 880 Tausend zugenommen (1993: 719 Tausend). Damit bekamen 2014 erstmals mehr Frauen als Männer eine Erwerbsminderungsrente.

Die Geschlechtsunterschiede bei der Anzahl der Altersrenten sind leicht zu erklären: Zum einen lag das gesetzliche Rentenalter für Frauen früher niedriger, zum anderen leben Frauen durchschnittlich länger und bekommen dementsprechend länger Rente. Bei den Erwerbsminderungsrenten hingegen ist die Erklärung weniger offensichtlich. Die sinkenden Zahlen bei den Männern kann man mit strengeren Zugangsvoraussetzungen erklären, die allerdings ebenso für Frauen gelten. Allerdings hat die Erwerbsbeteiligung der Frauen erheblich zugenommen. Betrachtet man zusätzlich die für die Erwerbsminderungsrente relevanten Berentungsdiagnosen, zeigt sich, dass bei Frauen inzwischen fast die Hälfte der Rentenzugänge auf Psychische und Verhaltensstörungen zurückgeht – eine Diagnosegruppe, deren Anteil in den letzten Jahren bei beiden Geschlechtern stark zugenommen hat.

Datentabelle:
Rentenbestand in Deutschland nach Rentenarten und Geschlecht (xls, 32KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Rentenzugänge nach Rentenarten und Geschlecht 1993 - 2014

Im Jahr 2014 sind insgesamt rund 930 Tausend neue Versichertenrenten* zu verzeichnen. 759 Tausend wurden aufgrund des Alters berentet, 171 Tausend wegen verminderter Erwerbsfähigkeit.

Bei den Altersrentenzugängen zeigt sich für beide Geschlechter im langfristigen Trend eher ein Rückgang, wobei in den letzten Jahren wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen ist. Dieser Verlauf wird von zwei Faktoren wesentlich beeinflusst. Zum einen schlagen sich Gesetzesänderungen bezüglich des Renteneintritts nieder – dies zeigt sich auch in Spitzen in einzelnen Jahren (z. B. 1995 bei den Männern und 1999 bei den Frauen), weil dort eine Gruppe von Beschäftigten gleichzeitig "berechtigt" wurde, vorzeitig in Rente zu gehen. Zum anderen macht sich im langfristigen Trend die Stärke des Geburtsjahrgangs bemerkbar – dies führt in den nächsten Jahren (bis ca. 2020) zu weiter steigenden Zugangszahlen, weil die sogenannten geburtenstarken Jahrgänge der "Babyboomer" ins gesetzliche Rentenalter gelangen.

Bei den Rentenzugängen wegen verminderter Erwerbsfähigkeit weisen beide Geschlechter seit 1993 sinkende Zahlen auf. Der Rückgang fällt bei den Männern deutlich stärker aus (-49,3 %) als bei den Frauen (-16,5 %) und führt zu einer Angleichung der Zugangszahlen zwischen den Geschlechtern (2014: Männer 86.640; Frauen 84.144).

Datentabelle:
Rentenzugänge in Deutschland nach Rentenarten und Geschlecht (xls, 32KB, Datei ist nicht barrierefrei)

* Unter Herausrechnung der Fälle der "neuen Mütterrenten"

Altersrentenzugänge nach Rentenarten im Zeitvergleich (2000, 2005, 2010, 2014)

Neben den Regelaltersrenten gibt es verschiedene Arten von vorgezogenen Altersrenten*. So gibt es Sonderregelungen für Frauen, Schwerbehinderte, Arbeitslose (diese Rentenart schließt Altersteilzeitmodelle ein), aber auch für langjährig Versicherte und seit 2012 auch für "besonders langjährig Versicherte". Bei allen Arten von vorgezogener Altersrente hängen die Möglichkeiten, vor der Regelaltersgrenze in Ruhestand zu gehen, vom Geburtsjahrgang ab. Genaueres finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung.

Von den 759 Tausend Rentenzugängen wegen Alters im Jahr 2014 erfolgten rund 60 % vorzeitig. Dabei handelt es sich meist um langjährig und besonders langjährig Versicherte. Auf die Rentenart der langjährig Versicherten (35 Versicherungsjahre und mehr) entfallen 11,3 % der Altersrentenzugänge. Die Rentenart für besonders langjährig Versicherte ("45 Jahre") macht 2014 sogar fast jeden fünften Rentenzugang bei den Altersrenten aus (19,9 %).

Seit 2000 am stärksten zurückgegangen sind aber die Anteile für vorgezogene Altersrenten für Frauen (von 26,8 % auf 10,4 %) und nach Arbeitslosigkeit (von 22,5 % auf 7,5 %, inkl. nach Altersteilzeitarbeit), da diese Rentenarten für Geburtsjahrgänge 1952 und jünger nicht mehr beansprucht werden können. Der Anteil der vorgezogenen Altersrenten für Schwerbehinderte liegt 2014 bei 10,4 %. Der Anteil der Regelaltersrenten ist aktuell mit 40,4 % deutlich höher als im Jahr 2000, liegt allerdings deutlich unter den Werten z. B. der Jahre 2005 und 2010.

Datentabelle:
Altersrentenzugänge in Deutschland nach Rentenarten (xls, 34KB, Datei ist nicht barrierefrei)

* Unter Herausrechnung der Fälle der "neuen Mütterrenten"

Rentenzugänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit nach Diagnosegruppen und Geschlecht im Zeitvergleich (2000, 2005, 2010, 2014)

Im Jahr 2014 gab es fast 170 Tausend Rentenzugänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit mit Diagnoseangaben. Betrachtet man hier die vier häufigsten Diagnosegruppen, zeigen sich bei beiden Geschlechtern deutlich Veränderungen im Zeitverlauf. Während die Erwerbsminderungsrentenzugänge von Psychischen und Verhaltensstörungen seit 2000 – insbesondere bei den Frauen – deutlich zugenommen haben (Männer +22,0 %; Frauen +61,6 %), sind bei allen anderen Diagnosegruppen Rückgänge zu verzeichnen. Bei den Frauen machen Psychische und Verhaltensstörungen 2014 etwa die Hälfte der Neuberentungsfälle aus (41.671; 49,5 %), bei den Männern ist es mehr als ein Drittel (31.301; 36,8 %).

Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes sind 2014 bei beiden Geschlechtern fast gleich häufig Berentungsdiagnose für einen Renteneintritt (Männer: 10.849; Frauen: 11.009). Ähnliches gilt für Neubildungen, d. h. gut- oder bösartige Tumore (Männer: 10.555; Frauen: 10.497). Ein deutlicher Geschlechterunterschied ist aber nach wie vor bei den Rentenzugängen aufgrund von Krankheiten des Kreislaufsystems festzustellen. Hier sind – trotz eines starken Rückgangs im Vergleich zum Jahr 2000 – weit mehr Männer (11.509) betroffen als Frauen (4.607).

Datentabelle:
Rentenzugänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit in Deutschland nach Diagnosegruppen und Geschlecht (xls, 34KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Alterssicherung in Deutschland

Durchschnittliches Zugangsalter nach Rentenarten und Geschlecht 1993 - 2014

Liniendiagramm, das die Entwicklung des durchschnittlichen Zugangsalters in Deutschland nach Rentenarten und Geschlecht von 1993 bis 2014 zeigt. Wird im Text erläutert. Durchschnittliches Zugangsalter nach Rentenarten und Geschlecht 1993-2014 Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund

Das durchschnittliche Zugangsalter bei Altersrenten liegt aktuell bei rund 64 Jahren (Stand 2014). Innerhalb von zwanzig Jahren hat es sich bei beiden Geschlechtern um mehr als ein Jahr erhöht. Dieser Anstieg beginnt bei den Männern im Jahr 1997 (62,0 Jahre) und hat 2013 mit 64,1 Jahren sein bisheriges Maximum erreicht. Bei den Frauen zeigen sich – nicht zuletzt aufgrund von Gesetzesänderungen – stärkere Schwankungen im Verlauf. Der Tiefpunkt ist im Jahr 1999 (62,2 Jahre) festzustellen. Ein deutlicher Anstieg erfolgt aber erst seit 2009 (62,9 Jahre). In 2014 liegt das durchschnittliche Rentenzugangsalter für Altersrenten bei den Frauen mit 64,3 Jahren erstmalig etwas höher als bei den Männern (64,0 Jahre). In diesen Werten ist allerdings der einmalige Sondereffekt durch den Zugang "neuer Mütterrenten" nicht berücksichtigt.

Bei den Erwerbsminderungsrenten sank das Zugangsalter bei beiden Geschlechtern bis 2004 fast stetig. Danach stieg es wieder und liegt aktuell mit 51,7 Jahren bei den Männern und 50,7 Jahren bei den Frauen nach wie vor – insbesondere bei den Männern – deutlich unter den Werten von 1993 (Männer: 53,3 Jahre; Frauen: 51,3 Jahre).

Datentabelle:
Durchschnittliches Zugangsalter in Deutschland nach Rentenarten und Geschlecht

Durchschnittliche Versicherungsjahre bei Altersrenten nach Geschlecht in West- und Ostdeutschland 1993 - 2014

Betrachtet man die durchschnittlichen Versicherungsjahre bei Altersrenten* in Ost- und Westdeutschland, wird deutlich, dass diese in Ostdeutschland wesentlich höher ausfallen. Ostdeutsche Männer haben in 2014 durchschnittlich 44,7 Versicherungsjahre vorzuweisen, westdeutsche mehr als drei Jahre weniger (41,3 Jahre). Obgleich im Westen in den letzten zehn Jahren bei den Frauen ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen ist, liegen diese mit durchschnittlich 29,8 Versicherungsjahren deutlich hinter den ostdeutschen Frauen zurück. So weisen Frauen im Osten bei Renteneintritt im Durchschnitt 43,4 Versicherungsjahre auf. Damit haben sie sogar mehr als die westdeutschen Männer. Hier schlägt sich neben der Arbeitsmarktlage (Stichwort: Vollbeschäftigung) in der DDR auch das Kinderbetreuungssystem nieder, das den Frauen ermöglichte, schnell wieder beruflich aktiv zu sein.

Datentabelle:
Durchschnittliche Versicherungsjahre bei Altersrenten nach Geschlecht in West- und Ostdeutschland (xls, 42KB, Datei ist nicht barrierefrei)

* Unter Herausrechnung der Fälle der "neuen Mütterrenten"

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