GSB 7.0 Standardlösung

Ende des aktiven Erwerbslebens

Mit Büroausstattungsutensilien gefüllter Pappkarton auf leerem Schreibtisch (Quelle: baona/iStock) Quelle: baona/iStock

Im Zuge der Anhebung der Altersgrenzen für eine Rente ohne Abschläge steigt seit mehreren Jahren das Renteneintrittsalter. Das muss nicht bedeuten, dass in gleichem Maße länger gearbeitet wird. Es kann sein, dass auch die Wartezeit zwischen Erwerbsende und Rentenbeginn länger wird.

Erwerbsaustritt ist nicht unbedingt gleich Renteneintritt
Kritiker der Altersgrenzenanhebungen befürchten, dass ein wachsender Teil älterer Arbeitskräfte aus Gesundheits- und Arbeitsmarktgründen nicht bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze arbeiten kann und daher die Zeit bis zum Rentenbeginn überbrücken muss oder vorzeitig mit Abschlägen in den Rentenbezug geht. Daher stellt sich die Frage, ob der Aufschub des Rentenbeginns auch mit einem entsprechend längeren Verbleib in der Erwerbstätigkeit einhergeht. Falls dem nicht so ist, zeigt sich dies in den Übergangspfaden in den Ruhestand, wenn weniger ältere Arbeitskräfte direkt aus der Erwerbsarbeit in den Rentenbezug wechseln und sie vor dem Ruhestand häufiger arbeitslos, langzeiterkrankt oder aus anderen Gründen nicht mehr erwerbstätig sind. Auch die Altersteilzeitbeschäftigung beinhaltet oft den faktischen Ausstieg aus der aktiven Erwerbsarbeit einige Jahre vor dem Rentenbeginn, da sie meist als Blockmodell mit einer längeren Freistellungsphase ausgeübt wird. Die weitere Entwicklung wird nicht zuletzt davon abhängen, ob sich die Beschäftigten mittleren Alters bereits darauf einstellen, länger zu arbeiten – auch über das 65. Lebensjahr hinaus.

Erwerbsaustrittsalter der 66- bis 71-Jährigen im Ruhestand

Entwicklung im Zeitvergleich (1996, 2002, 2008, 2014)

Säulendiagramm, das das durchschnittliche Erwerbsaustrittsalter der im Ruhestand befindlichen 66- bis 71-Jährigen in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 zeigt. Wird im Text erläutert. Durchschnittliches Erwerbsaustrittsalter im Zeitvergleich (1996, 2002, 2008, 2014) Quelle: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)

Nach den Ergebnissen des Deutschen Alterssurveys zeigt sich beim Ausstiegsalter aus dem Erwerbsleben eine Trendwende hin zu einem längeren Verbleib im Arbeitsleben. Während die 66- bis 71-Jährigen des Jahres 2008 noch mit durchschnittlich 56,5 Jahren ihre hauptberufliche Tätigkeit beendet hatten, sind die sechs Jahre später Geborenen mehr als ein Jahr länger berufstätig geblieben. Dennoch liegt das Ausstiegsalter mit durchschnittlich 57,8 Jahren immer noch weit unter der Regelaltersgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung. Dies verdeutlicht, dass viele Menschen nicht bis zum Eintritt in die Altersrente erwerbstätig bleiben.


Datentabelle:
Durchschnittliches Erwerbsaustrittsalter der 66- bis 71-Jährigen im Ruhestand (xls, 34KB, Datei ist nicht barrierefrei)

nach Geschlecht, Bildungsniveau und West-/Ostdeutschland 2014

Das Erwerbsaustrittsalter (DEAS) variiert zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So bleiben etwa Männer im Durchschnitt rund sechs Jahre länger berufstätig als Frauen. Vor allem westdeutsche Frauen sind seltener berufstätig, da sie häufiger als im Osten aus familiären Gründen ihre Erwerbstätigkeit unterbrochen haben und danach seltener wieder in die Erwerbstätigkeit zurückgekehrt sind.

Deutliche Unterschiede gibt es auch zwischen den Bildungsgruppen. Je höher das Qualifikationsniveau, desto später erfolgt der Ausstieg aus dem Erwerbsleben. Erwerbstätige ohne abgeschlossene Berufsausbildung (niedriges Bildungsniveau) scheiden mit 51,6 Jahren im Durchschnitt fünf Jahre vor Personen mit abgeschlossener betrieblicher oder schulischer Berufsausbildung aus (mittleres Bildungsniveau). Am längsten erwerbstätig bleiben Personen mit einem Studienabschluss oder einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung (hohes Bildungsniveau), die mit knapp 61 Jahren ihre Berufstätigkeit beenden. In diesen bildungsbezogenen Differenzen kommen sowohl unterschiedliche Arbeitsmarktrisiken, Gesundheitschancen und Tätigkeitsprofile als auch Unterschiede in Motiven und Weiterarbeitswünschen zum Ausdruck.

Datentabelle:
Durchschnittliches Erwerbsaustrittsalter der 66- bis 71-Jährigen im Ruhestand nach Geschlecht, Bildungsniveau und West-/Ostdeutschland 2014 (xls, 34KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Erwerbsausstiegsgründe der 66- bis 71-Jährigen im Ruhestand

Entwicklung im Zeitvergleich (1996, 2002, 2008, 2014)

Nach den Ergebnissen des Deutschen Alterssurveys haben nur 37 % der 66- bis 71-Jährigen des Jahres 2014 ihre Erwerbstätigkeit beendet, weil sie die Rentenaltersgrenze erreicht hatten. Der Großteil schied vorzeitig aus anderen Gründen aus dem Erwerbsleben aus: 23 % wegen Arbeitslosigkeit oder aus betrieblichen Gründen, 22 % aus gesundheitlichen Gründen, 18 % aus familiären Gründen. Für weitere 19 % gaben Freizeitwünsche oder andere Gründe den Ausschlag. Die Entwicklung seit Mitte der 1990er Jahre zeigt zum einen, dass immer weniger Menschen erst bei Erreichen der Altersgrenze aus dem Erwerbsleben ausscheiden (-16,3 Prozentpunkte) und zum anderen, dass deutlich häufiger betriebliche Gründe oder Arbeitslosigkeit (+13,3 Prozentpunkte) sowie Freizeitwünsche und andere Gründe (+12,0 Prozentpunkte) für die Erwerbsbeendigung ausschlaggebend sind.

Datentabelle:
Erwerbsausstiegsgründe der 66- bis 71-Jährigen im Ruhestand (xls, 35KB, Datei ist nicht barrierefrei)

nach Geschlecht, Bildungsniveau und West-/Ostdeutschland 2014

Gestapeltes Balkendiagramm, das die Gründe des Erwerbsausstiegs der im Ruhestand befindlichen 66- bis 71-Jährigen nach Geschlecht, Bildungsniveau und in West-/Ostdeutschland im Jahr 2014 zeigt. Wird im Text erläutert. Erwerbsausstiegsgründe nach Geschlecht, Bildungsniveau und West-/Ostdeutschland 2014 Quelle: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)

Die Gründe des Ausscheidens aus dem Erwerbsleben unterscheiden sich zwischen sozialen Gruppen und Regionen. Je niedriger das Berufsbildungsniveau, desto seltener scheiden Erwerbstätige erst wegen Erreichens der Altersgrenze aus und umso häufiger erfolgt der Ausstieg vorzeitig aus gesundheitlichen oder familiären Gründen. So sind es bei den Erwerbstätigen ohne abgeschlossene Berufsausbildung (niedriges Bildungsniveau) nur etwa ein Viertel, das wegen Alters aus dem Erwerbsleben ausscheidet, bei denen mit einem Studienabschluss oder einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung (hohes Bildungsniveau) hingegen fast die Hälfte. Gesundheitliche oder familiäre Gründe sind in der erstgenannten Personengruppe mit 23,9 % bzw. 26,1 % ähnlich stark, in der anderen Gruppe mit 12,1 % bzw. 6,5 % deutlich weniger vertreten.

Im Osten Deutschlands scheiden Beschäftigte vor dem Ruhestand mehr als doppelt so häufig wie im Westen wegen Arbeitslosigkeit oder aus betrieblichen Gründen aus. Frauen verlassen den Arbeitsmarkt häufig frühzeitig aus familiären Gründen (26,4 %).

Datentabelle:
Erwerbsausstiegsgründe der 66- bis 71-Jährigen im Ruhestand nach Geschlecht, Bildungsniveau und West-/Ostdeutschland 2014 (xls, 34KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Dauer zwischen Erwerbsaustritt und Renteneintritt

Entwicklung im Zeitvergleich (1996, 2002, 2008, 2014)

Säulendiagramm, das die durchschnittliche Dauer zwischen Erwerbsaustritt und Renteneintritt der 66- bis 71-Jährigen in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 zeigt. Wird im Text erläutert. Dauer vom Erwerbsaustritt bis zum Renteneintritt im Zeitvergleich (1996, 2002, 2008, 2014) Quelle: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)

Je nach dem Übergangspfad in den Ruhestand hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten die Dauer zwischen dem Ausstieg aus der Erwerbstätigkeit und dem Beginn der Altersrente unterschiedlich entwickelt. Bei denjenigen, die als Hausfrau/-mann oder aus anderen Gründen bereits lange vor dem Rentenbeginn aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind, hat sich die Nichterwerbsphase vor der Rente von 17,8 Jahre 1996 auf 15,9 Jahre 2014 verkürzt. Bei Personen, die vor dem Renteneintritt arbeitslos wurden oder im Vorruhestand waren, hat sich die Dauer zwischen Erwerbsausstieg und Rentenbeginn hingegen verlängert. Im Durchschnitt scheiden diese nun bereits 4,5 Jahre vor dem Renteneintritt aus dem Erwerbsleben aus. Mitte der 1990er Jahre waren es nur 2,6 Jahre.

Datentabelle:
Durchschnittliche Dauer zwischen Erwerbsaustritt und Rentenbeginn der 66- bis 71-Jährigen ohne direkten Wechsel in die Altersrente


Status der 66- bis 71-Jährigen vor Beginn der Altersrente

Entwicklung im Zeitvergleich (1996, 2002, 2008, 2014)

Die unterschiedlichen Gründe und Zeitpunkte des Ausscheidens aus dem Erwerbsleben zeigen sich auch in den Übergangspfaden in den Ruhestand, erkennbar am letzten Erwerbsstatus der Personen vor Beginn ihrer Altersrente oder Pension. Trotz späteren Ausstiegs arbeiten immer weniger ältere Erwerbstätige bis zum Beginn ihrer Altersrente. Es wächst der Anteil derer, die vor dem Ruhestand arbeitslos werden. Zwischen 1996 und 2014 hat sich dieser Übergangspfad von 3,6 % auf 15,5 % vervierfacht. Die Entlassung in die Arbeitslosigkeit löst damit teilweise die Ausgliederung über Vorruhestandsregelungen ab, die im selben Zeitraum von 10,1 % auf 3,0 % zurückgegangen ist. An Bedeutung gewonnen hat auch der vorzeitige Ausstieg über die geblockte Altersteilzeit. Hier liegt der Anteil mit 15,0 % mittlerweile auf ähnlich hohem Niveau wie das Ausscheiden aufgrund von Arbeitslosigkeit. Stagnierend bis rückläufig sind die Anteile der Personen, die vor Beginn der Altersrente Hausfrau oder Hausmann, länger krank, erwerbsunfähig oder aus anderen Gründen nicht erwerbstätig sind.

Datentabelle:
Status der 66- bis 71-Jährigen vor Beginn der Altersrente/Pension (xls, 35KB, Datei ist nicht barrierefrei)

nach Geschlecht, Bildungsniveau und West-/Ostdeutschland 2014

Auch bei den Übergangspfaden in den Ruhestand gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen und Geschlechtern. Von den 66- bis 71-Jährigen des Jahres 2014 mit akademischem Abschluss oder einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung waren 54 % bis unmittelbar vor Rentenbeginn aktiv erwerbstätig, von Personen mit mittlerem Bildungsniveau 44 % und von denen ohne abgeschlossene Berufsausbildung nur 30 %. Geringqualifizierte wechseln auch seltener aus der gut abgesicherten Position der geblockten Altersteilzeit in den Ruhestand. Statt dessen haben sie ein erhöhtes Risiko, bereits vor dem Wechsel in die Altersrente aufgrund von Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Erwerbsunfähigkeit aus dem Erwerbsprozess auszuscheiden oder - vor allem Frauen betreffend - nach der Familienphase keine dauerhafte Rückkehr in die Berufstätigkeit zu schaffen.

Insgesamt sind Frauen deutlich seltener als Männer (40,6 % gegenüber 52,7 %) und Ostdeutsche nur geringfügig seltener als Westdeutsche (45,7 % gegenüber 46,7 %) bis zum Rentenbeginn berufstätig. Ein Drittel der Ostdeutschen und damit gut doppelt so viele wie unter den Westdeutschen ist vor dem Übergang in den Ruhestand jedoch arbeitslos. Besonders stark zugenommen hat dieser Übergangspfad bei ostdeutschen Frauen – von 1 % im Jahr 1996 auf 40 % im Jahr 2014 (ohne Abbildung).

Datentabelle:
Status der 66- bis 71-Jährigen vor Beginn der Altersrente/Pension nach Geschlecht, Bildungsniveau und West-/Ostdeutschland 2014 (xls, 36KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Geplantes Erwerbsaustrittsalter der 40- bis 59-jährigen Erwerbstätigen

Entwicklung im Zeitvergleich (1996, 2002, 2008, 2014)

Immer mehr Erwerbstätige planen, bis zum Alter von 65 Jahren oder länger zu arbeiten. Und immer kleiner wird der Anteil derer, die einen frühen Ausstieg mit spätestens 60 Jahren planen. Wie die seit 1996 aus dem Deutschen Alterssurvey vorliegenden Daten zeigen, war die Abkehr vom frühen Ausstieg anfangs noch verbunden mit einer Unsicherheit über die voraussichtliche Dauer des länger Arbeitens. Dies zeigt sich im kurzzeitigen Anstieg der Kategorie "weiß noch nicht" im Jahr 2002 (+14,4 Prozentpunkte).

In den darauffolgenden Jahren ist die anfängliche Ungewissheit konkreten Vorstellungen zum Erwerbsausstieg in einem höheren Alter gewichen. Zugenommen hat sowohl der Anteil derer die planen, mit 61 bis 64 Jahren aufzuhören (2002-2014: +14,8 Prozentpunkte), als auch derjenigen, die davon ausgehen, erst mit 66 Jahren oder später ihre Erwerbstätigkeit zu beenden (2002-2014: +18,3 Prozentpunkte). Dennoch darf nicht übersehen werden, dass immer noch mehr als 40 % der 40- bis 59-Jährigen nicht davon ausgehen, bis zum 65. Lebensjahr erwerbstätig zu bleiben. Nicht alle wollen oder können so lange arbeiten.

Datentabelle:
Geplantes Erwerbsaustrittsalter der 40- bis 59-jährigen Erwerbstätigen (xls, 35KB, Datei ist nicht barrierefrei)

nach verschiedenen Merkmalen 2014

Betriebliche, qualifikatorische und Tätigkeitsmerkmale beeinflussen, ob Personen erwarten, bis zur Vollendung des 65. Lebensjahrs oder darüber hinaus erwerbstätig zu bleiben. Überdurchschnittlich häufig planen Personen mit höherem beruflichen Bildungsabschluss (46,9 %), hochqualifizierte Angestellte, solche mit Vorgesetztenfunktion (43,7 %), Beamte und Beamtinnen (43,9 %) sowie Selbstständige (49,1 %) einen späten Ausstieg. Bei den Verbeamteten dürfte die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes, bei Selbstständigen die freien Entscheidungsmöglichkeiten solche Pläne begünstigen. Etwas überraschend planen Personen mit Facharbeiter- und Meisterstatus (neun von zehn davon sind Männer) vergleichsweise selten, bis zum Alter von 65 Jahren zu arbeiten. Das trifft auf weniger als ein Drittel zu. Dies kann damit zusammenhängen, dass diese häufiger in Großbetrieben beschäftigt sind, deren Belegschaft leichter in den Genuss von Angeboten zum vorzeitigen Ausstieg über Vorruhestandsregelungen und geblockter Altersteilzeit kommt. Möglicherweise kalkulieren Facharbeiter und Meister angesichts ihrer überdurchschnittlich vielen Erwerbsjahre auch häufiger mit der Option, frühzeitig mit oder ohne Abschläge in die Altersrente für langjährig oder besonders langjährig Versicherte zu gehen.

Auch die Arbeitsbelastung beeinflusst die Ausstiegsplane. Beschäftigte, die sich in mindestens einem von vier Bereichen (anstrengende oder einseitige körperliche Tätigkeit, erschwerte Umweltbedingungen am Arbeitsplatz, Stress durch starken Arbeits-/Termindruck, viele neue Anforderungen) ziemlich oder sehr belastet fühlen, planen seltener, bis zum Alter von 65 Jahren erwerbstätig zu bleiben (37,4 % gegenüber 43,4 %). Hingegen zeigt sich, dass dies bei Männern mit 43,8 % (Frauen 34,8 %) und bei Beschäftigten in Westdeutschland mit 40,3 % (Ostdeutschland 35,4 %) häufiger der Fall ist. Und auch in kleinen und mittleren Betrieben fällt der Anteil an Beschäftigten, die planen bis zur Rentenaltersgrenze zu arbeiten, höher aus als in Großbetrieben.

Datentabelle:
Geplantes Erwerbsaustrittsalter mit 65 und mehr Jahren der 40- bis 59-jährigen Erwerbstätigen nach verschiedenen Merkmalen 2014 (xls, 36KB, Datei ist nicht barrierefrei)

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