GSB 7.0 Standardlösung

Beschäftigungsstabilität

Überdimensionierter auf- und absteigender roter Pfeil in 3D, an dem sich jeweils ein hellgrünes Männchen festzuhalten versucht (Quelle: frentusha/iStock) Quelle: frentusha/iStock

Die finanzielle Belastung, die jetzige und kommende Generationen für die nicht mehr im Erwerbsleben stehende ältere Bevölkerung tragen muss, wird mit den altersstrukturellen Veränderungen steigen. Umso wichtiger ist es, dass Beschäftigungsstabilität und ausreichende Einkommen gewährleistet werden.

Flexible Beschäftigungsformen gefährden die Alterssicherung
Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes hat in Deutschland in den letzten Jahrzehnten zu einem Zuwachs flexibler Beschäftigungsformen geführt. Dazu zählen befristete Arbeitsverträge, Leih- und Zeitarbeit sowie geringfügige Beschäftigungen. Im Jahr 2013 erfolgten 42 % aller Neueinstellungen befristet. Hiervon sind sowohl geringqualifizierte Personen als auch Akademiker besonders betroffen. Vorliegende Daten zeigen, dass derzeit eine Umverteilung von Beschäftigungsrisiken hin zu jüngeren Beschäftigten stattfindet. Das heißt, der Einstieg in das Erwerbsleben gestaltet sich für Jüngere heutzutage schwieriger und instabiler. Daneben haben sich die Zeitarbeit und die geringfügige Beschäftigung zu den am stärksten wachsenden Erwerbsformen seit der Wiedervereinigung entwickelt.

Derartige Beschäftigungsverhältnisse machen jedoch eine Lebensplanung schwierig und gefährden darüber hinaus die finanzielle Absicherung im Alter. Das wird angesichts des demografischen Wandels zunehmend zum Problem. Von daher ist es wichtig, stabile Beschäftigung zu schaffen und zu sichern. Zudem gilt es, Arbeitslosigkeit zu reduzieren und vor allem Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden, denn längere Phasen der Arbeitslosigkeit machen einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt deutlich schwieriger.

Arbeitsmarktentwicklung und Beschäftigungsformen

Ausblick auf die Arbeitsmarktentwicklung

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein Frühindikator, der die Entwicklung der Arbeitslosigkeit (Komponente A) und die der Beschäftigung (Komponente B) in den nächsten drei Monaten anzeigt und damit einen umfassenden Ausblick auf den deutschen Arbeitsmarkt erlaubt. Der Mittelwert aus beiden Komponenten bildet den Gesamtwert des IAB-Arbeitsmarktbarometers. Der Indikator bezieht sich auf die saisonbereinigte Entwicklung von Arbeitslosigkeit und Beschäftigung, also unter Herausrechnung der üblichen jahreszeitlichen Schwankungen. Er basiert auf einer monatlichen Umfrage unter allen 156 lokalen Arbeitsagenturen. Seine Skala reicht von 90 (sehr schlechter Ausblick) bis 110 (sehr guter Ausblick).

Liniendiagramm, das die Entwicklung des Arbeitsmarktes in Deutschland von 2011 bis 2017 zeigt. Wird im Text erläutert. Beurteilung des Arbeitsmarktes 2011-2017 Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Bundesagentur für Arbeit (BA)

Die Komponente "Arbeitslosigkeit" wird seit November 2008 berechnet. Ihre Entwicklung ist geprägt von der großen Rezession 2008/2009 und der darauffolgenden schnellen Erholung. Nach einer Schwächephase 2012/2013 befand sich die Komponente zumeist (leicht) über der neutralen Marke von 100, was die tendenziell günstige Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den vergangenen Jahren widerspiegelt. Seit einigen Monaten signalisiert Komponente A sogar einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Die Komponente "Beschäftigung" wird seit Februar 2011 berechnet. Sie startet während des Aufholprozesses aus der großen Rezession mit sehr hohen Werten. Nach einer folgenden schwächeren Phase in den Jahren 2012 und 2013 konnte sie bis ins Jahr 2017 hinein – mit temporären leichten Rücksetzern – wieder deutlich zulegen und signalisiert aktuell ein sehr kräftiges Beschäftigungswachstum. Über den gesamten Zeitraum liegt die Komponente B über Komponente A, was den anhaltenden starken Aufwärtstrend in der Beschäftigung widerspiegelt.

Datentabelle:
IAB-Arbeitsmarktbarometer (xls, 47KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Begonnene Beschäftigungsverhältnisse in Leiharbeit 2004 - 2015

Für die Alterssicherung ist neben dem Einkommen Beschäftigungsstabilität entscheidend. In den letzten Jahren haben jedoch atypische Beschäftigungsverhältnisse, zu denen auch die hier betrachtete Leiharbeit zählt, zugenommen. Diese gefährden nicht nur die finanzielle Absicherung im Ruhestand, sondern schon im erwerbsfähigen Alter und machen darüber hinaus eine Lebens- und Familienplanung schwieriger.

Die vorliegende Statistik gibt die Zahl begonnener sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse in der Arbeitnehmerüberlassung (Leiharbeit) in Deutschland seit 2004 wider. Sie lag 2015 bei rund einer Million, 2004 bei fast 580 Tausend. Die letzten Höchststände wurden in den Jahren 2010 und 2011 erreicht, wo sich die Zahl jeweils auf über 1,1 Mio. summierte. Seit 2012 nimmt die Leiharbeit jedoch wieder zu.

Ein begonnenes Beschäftigungsverhältnis wird gezählt, wenn eine Anmeldung mit Abgabegrund "Anmeldung wegen Beginn einer Beschäftigung" im Rahmen des Meldeverfahrens zur Sozialversicherung durch den Arbeitgeber erstattet wurde, deren Beginn-Datum der Beschäftigung innerhalb des Betrachtungszeitraums liegt. Ein begonnenes Beschäftigungsverhältnis wird aber auch dann gezählt, wenn ein Wechsel zwischen sozialversicherungspflichtigem Ausbildungsverhältnis, sozialversicherungspflichtigem Beschäftigungsverhältnis, geringfügig entlohntem oder kurzfristigem Beschäftigungsverhältnis stattfindet. Gleichzeitige An- und Abmeldungen, welche das Meldeverfahren für bestimmte, im Voraus befristete Beschäftigungsverhältnisse vorsieht, werden generell als Beginn und Ende eines Beschäftigungsverhältnisses gezählt.

Bei der Bewertung der Zahl der begonnenen und beendeten Beschäftigungsverhältnisse ist zu berücksichtigen, dass aufgrund des Verfahrens zur Betriebsnummernvergabe z. B. bei der Aufsplittung von Betrieben bzw. Betriebsstätten oder bei der Fusion von Betrieben bzw. Betriebsstätten unter Umständen eine Abmeldung und nachfolgende (Neu-)Anmeldung von Beschäftigten unter einer neuen Betriebsnummer durch den Arbeitgeber erfolgt. Die Beschäftigten haben ihren Arbeitsplatz jedoch nicht gewechselt, und auch das Beschäftigungsverhältnis wurde nicht unterbrochen.

Datentabelle:
Begonnene sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse in der Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland (xls, 40KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Befristete Beschäftigung 2015

Von den 34,2 Millionen abhängig Beschäftigten (ohne Auszubildende) in Deutschland haben 2,9 Millionen einen befristeten Arbeitsvertrag (8,6 %). Bei Frauen (8,9 %) ist dies etwas verbreiteter als bei Männern (8,3 %). Besonders hoch ist der Anteil bei ausländischen Erwerbstätigen (15,2 %) und jungen Beschäftigten unter 35 Jahren (17,4 %). Von den 35- bis 55-Jährigen sind 5,6 %, von den über 55-Jährigen 3,8 % befristet beschäftigt.

Betrachtet man die Wirtschaftszweige, fällt der Bereich "Öffentliche und sonstige Dienstleister; Erziehung; Gesundheit" mit einem besonders hohen Befristungsanteil von 11,6 % auf. Am wenigsten befristete Beschäftigung gibt es im Baugewerbe (4,3 %) und im restlichen Produzierenden Gewerbe (6,3 %).

Je nach Niveau des beruflichen Bildungsabschlusses variiert der Befristungsanteil ebenfalls erheblich: Bei den Erwerbstätigen ohne Berufsabschluss ist der Anteil mit 16,0 % sehr hoch, gefolgt von Erwerbstätigen mit akademischen Berufsabschlüssen (10,4 %). Von den Erwerbstätigen mit anerkannter Berufsausbildung haben deutlich weniger einen befristeten Arbeitsvertrag (6,5 %).

Datentabelle:
Befristete Beschäftigung in Deutschland 2015 (xls, 41KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Subjektiv wahrgenommene Entlassungsgefahr

in West- und Ostdeutschland im Zeitvergleich (1992, 1999, 2006, 2012)

Die subjektiv wahrgenommene Entlassungsgefahr hat sich seit Ende der 1990er Jahre deutlich verringert. Sahen 1999 noch 16,2 % der Beschäftigten im Alter von 20 bis 65 Jahren (hier nur Arbeiter und Angestellte) eine hohe bis sehr hohe Gefahr, in nächster Zeit vom Betrieb entlassen zu werden bzw. keine Vertragsverlängerung zu erhalten, so waren es 2012 nur noch 6,7 %. Die Mehrheit der Beschäftigten schätzt 2012 die Gefahr als eher gering ein (46,2 %) oder sieht überhaupt keine Gefahr (47,1 %).

In Ostdeutschland wird die Gefahr nach wie vor deutlich höher bewertet als in Westdeutschland. Die Unterschiede sind aber seit Beginn der 1990er Jahre stark zurückgegangen. Die höchsten Werte wurden in Ostdeutschland in den 1990er Jahren erreicht (1992: 25,4 %, 1999: 28,8 %). Seitdem ist die subjektiv wahrgenommene Entlassungsgefahr stark rückläufig und liegt 2012 bei 9,6 %. Auch in Westdeutschland zeigte sich im Laufe der 1990er Jahre ein Anstieg der subjektiv empfundenen Entlassungsgefahr, die 2012 aber mit 6,0 % wieder auf dem Niveau von 1992 (6,3 %) liegt. Die Entwicklung in Westdeutschland folgt dabei annähernd der Arbeitslosenquote, die 1999 und 2006 deutlich höher lag als 1992 und 2012. Daneben hat eine befristete Beschäftigung einen starken Einfluss auf die wahrgenommene Entlassungsgefahr bzw. die Gefahr, dass der Vertrag nicht verlängert wird. 2012 sahen 4,2 % der unbefristet Beschäftigten, aber 25,3 % der befristet Beschäftigten ein hohes bis sehr hohes Entlassungsrisiko.

Datentabelle:
Subjektiv wahrgenommene hohe bis sehr hohe Entlassungsgefahr in West- und Ostdeutschland (xls, 38KB, Datei ist nicht barrierefrei)

nach Qualifikationsniveau und Alter 2012

2012 sahen 6,7 % der Beschäftigten im Alter von 20 bis 65 Jahren (hier nur Arbeiter und Angestellte) eine hohe bis sehr hohe Entlassungsgefahr. Jüngere Beschäftigte im Alter von 20 bis 34 Jahren schätzen diese Gefahr etwas höher ein als ältere Beschäftigte im Alter von 35 bis 65 Jahren (7,3 % gegenüber 6,5 %). Nach dem Qualifikationsniveau zeigen sich dabei nur geringe Unterschiede. Erwerbstätige mit Hochschulabschluss empfinden insgesamt etwas häufiger eine hohe bis sehr hohe Gefahr, in nächster Zeit vom Betrieb entlassen zu werden bzw. keine Vertragsverlängerung zu erhalten (8,9 %) als Beschäftigte mit Berufsausbildung (6,2 %).

Balkendiagramm, das die subjektiv wahrgenommene Entlassungsgefahr in Deutschland nach Alter und Qualifikationsniveau im Jahr 2012 zeigt. Wird im Text erläutert. Subjektiv wahrgenommene Entlassungsgefahr nach Alter und Qualifikationsniveau 2012 Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Wird zusätzlich nach dem Alter differenziert, zeigen sich bei Beschäftigten mit Berufsausbildung nur geringe Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Beschäftigten (6,3 % bzw. 6,2 %). Unter den Akademiker/-innen wird die Entlassungsgefahr von jüngeren Beschäftigten jedoch deutlich häufiger als hoch bis sehr hoch eingeschätzt (12,3 %) als von älteren Beschäftigten (7,6 %). Da die Befristungsquote bei Akademiker/-innen im Alter von 20 bis 34 Jahren mit 28,9 % deutlich höher als bei Beschäftigten mit Berufsausbildung ist (19,6 %), wirkt sich dies auf die subjektive Einschätzung der Arbeitsplatzsicherheit aus. Beschäftigte in befristeten Beschäftigungsverhältnissen empfinden generell eine höhere Entlassungsgefahr (25,3 %) als im Durchschnitt über alle Arbeiter und Angestellten (6,7 %).

Datentabelle:
Subjektiv wahrgenommene hohe bis sehr hohe Entlassungsgefahr nach Qualifikationsniveau und Alter 2012 (xls, 38KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Sorge um Arbeitslosigkeit bei Beschäftigten ab 40 Jahren 2014

Balkendiagramm, das den Anteil der abhängig Beschäftigten ab 40 Jahren, die sich um Arbeitslosigkeit sorgen, nach verschiedenen Merkmalen im Jahr 2014 zeigt. Wird im Text erläutert. Sorge um Arbeitslosigkeit bei Beschäftigten ab 40 Jahren 2014 Quelle: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)

Arbeitsplatzsicherheit ist ein hohes Gut. Wer der Überzeugung ist, den eigenen Arbeitsplatz behalten zu können, fühlt sich wohler, kann zuversichtlicher in die Zukunft blicken und hat mehr Planungssicherheit. Ein sicherer Arbeitsplatz ist jedoch keine Selbstverständlichkeit und ist ungleich verteilt. Das zeigt sich auch in den unterschiedlichen Erwartungen von Beschäftigten, in nächster Zeit arbeitslos zu werden. Geringqualifizierte erwarten dies weit häufiger (15,6 %) als Mittel- und Hochqualifizierte (8,7 % bzw. 6,8 %). Auch das höhere Arbeitslosigkeitsrisiko in den neuen Bundesländern spiegelt sich in einem zwischen Ost- und Westdeutschland unterschiedlich hohen Befürchtungsausmaß demnächst arbeitslos zu werden (11,3 % gegenüber 7,5 %). Unter allen befragten abhängig Beschäftigten ab 40 Jahren rechnen 8,1 % mit baldiger Arbeitslosigkeit.

Datentabelle:
Abhängig Beschäftigte ab 40 Jahren, die es für sehr oder eher wahrscheinlich halten, in nächster Zeit arbeitslos zu werden 2014 (xls, 36KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Zusatzinformationen

Datenquellen der Textinhalte

Zu den Datenquellen:

Deutscher Alterssurvey
BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen
IAB-Arbeitsmarktbarometer
Mikrozensus
Statistik der sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigung

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