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Arbeitsorganisation

Laptop mit Kalenderansicht auf dem Bildschirm, Schreibblock, Smartphone und Kaffeetasse (Quelle: conejota/iStock) Quelle: conejota/iStock

Neben Arbeitsinhalten und -umgebung prägt die Form der Arbeitsorganisation ganz wesentlich die Arbeitsbedingungen. Vor allem die Arbeitszeit ist ein bekannter Belastungsfaktor. Zugleich nehmen flexible Arbeitsformen immer mehr zu. Das stellt besondere Herausforderungen an eine gute Gestaltung von Arbeit und Work-Life-Balance.

Rahmenbedingungen im Spannungsfeld zwischen Flexibilisierung und Verträglichkeit
Psychische Belastungen können nicht nur aus dem Arbeitsinhalt, sondern auch aus der Arbeitsorganisation entstehen. Eines der wichtigsten Merkmale des Arbeitslebens und gleichzeitig ein bekannter Belastungsfaktor ist die Arbeitszeit. Dabei geht es nicht nur um die Dauer der wöchentlich geleisteten Arbeitszeit, sondern auch darum, zu welcher Tageszeit und in welchem Rhythmus diese ausgeübt wird und ob Pausen eingehalten werden. Im Zuge des Wandels der Arbeit sind eine Zunahme flexibler Arbeitsformen (z. B. Schichtarbeit, Wochenendarbeit) sowie Veränderungen der Arbeitszeitorganisation festzustellen. Diese Flexibilisierung des Arbeitsmarktes birgt spezielle Herausforderungen für die Arbeitsgestaltung und Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Da sich flexible Arbeitszeiten auf das Privat- und Familienleben der Beschäftigten auswirken können, ist auf eine gute Work-Life-Balance zu achten. So können durch besondere Arbeitszeitformen die Möglichkeiten am sozialen Leben (z. B. Familie, Freunde, Sportvereine) teilzunehmen eingeschränkt sein. Aber auch unter günstigeren zeitlichen Rahmenbedingungen der Arbeit kann die Vereinbarkeit der Bereiche Beruf und Privat- bzw. Familienleben beeinträchtigt sein, zum Beispiel wenn Beschäftigte bei der Arbeitszeitplanung seltener auf familiäre und private Interessen Rücksicht nehmen können.

Arbeitszeit und Arbeitszeitformen der Beschäftigten

Tatsächliche Wochenarbeitszeit nach Geschlecht und Alter 2012

Gestapeltes Säulendiagramm, das die tatsächliche Wochenarbeitszeit der Beschäftigten nach Geschlecht und Alter 2012 zeigt. Wird im Text erläutert. Tatsächliche Wochenarbeitszeit nach Geschlecht und Alter 2012 Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

Das häufigste Wochenstundenpensum bei Männern liegt eindeutig bei 40 bis 47 Stunden pro Woche. Der größte Anteil männlicher Beschäftigter (60 %), der so lange arbeitet, ist 35 bis 49 Jahre alt. Die 50- bis 64-jährigen Männer berichten diese Arbeitszeit am seltensten (55 %). Jüngere Männer (15-34 Jahre) liegen mit 58 % dazwischen. Frauen mit wöchentlicher Arbeit von 40 bis 47 Stunden sind dagegen vorwiegend jüngeren Alters (43 %). Nicht einmal ein Drittel der Frauen mittleren und höheren Alters arbeitet 40 bis 47 Stunden die Woche (35-49 Jahre: 30 %, 50-64 Jahre: 31 %). Ähnlich sieht es bei den überlangen Wochenarbeitszeiten von 48 Stunden und darüber aus. Mehr als dreimal so viele Männer wie Frauen arbeiten länger als normal – und das altersübergreifend. In jüngeren Jahren sind überlange Arbeitszeiten etwas öfter verbreitet. 22 % der Männer und 9 % der Frauen berichten dies.

Weibliche Beschäftigte arbeiten häufig auch 20 bis 34 Stunden die Woche. Diese Wochenarbeitszeit wird mit 35 % hauptsächlich von Frauen mittleren und höheren Alters genannt. Bei den 15- bis 34-jährigen Frauen sind es nur 22 %. Auch der Anteil der Frauen, die ein Wochenpensum von 10 bis 19 Arbeitsstunden haben, ist altersübergreifend noch recht hoch (ca. jede zehnte Frau). Hingegen gibt nur ein kleiner Bruchteil (unter 10 %) der Männer an, 34 Stunden und weniger zu arbeiten. Am ehesten haben jüngere Männer (9 %) ein Arbeitspensum von 34 Stunden und weniger, am seltensten Männer mittleren Alters (4 %).

Datentabelle:
Tatsächliche Wochenarbeitszeit: Beschäftigte nach Geschlecht und Alter 2012 (xls, 40KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Schicht- und Wochenendarbeit nach Geschlecht und Alter 2012

Weibliche Beschäftigte arbeiten unabhängig vom Alter etwa zu gleichen Anteilen in Schichten mit und ohne Nachtarbeit (ca. 5 %). Nur die 15- bis 34-jährigen Frauen arbeiten mit 6 % geringfügig häufiger in Schichtarbeit mit Nachtarbeitsanteil.

Bei Männern ist Schichtarbeit ohne Nachtarbeit altersübergreifend etwas seltener verbreitet als Schichtarbeit mit Nachtarbeit. Die Männer mittleren Alters (35-49 Jahre) und höheren Alters (50-64 Jahre) machen mit jeweils 5 % den kleinsten Anteil bei Schichtarbeit ohne Nachtarbeit aus. Die jüngeren männlichen Beschäftigten (15-34 Jahre) arbeiten nur etwas öfter in Schichten ohne Nachtarbeit (7 %) als die älteren Kollegen. Bei der Schichtarbeit mit Nachtarbeit sind Männer jüngeren (10 %) und mittleren Alters (11 %) am meisten vertreten. Ältere sind hier weniger oft tätig (8 %).

Insgesamt arbeiten mehr Beschäftigte an Samstagen als an Sonn- und/oder Feiertagen, wenn auch nur gelegentlich. Männer berichten dies häufiger als Frauen. Sowohl Samstags- als auch Sonntags-/Feiertagsarbeit ist mit zunehmendem Alter weniger verbreitet, und zwar bei beiden Geschlechtern. Bei den 15- bis 34-jährigen Frauen sind es 58 % und bei den gleichaltrigen Männern 72 %, die samstags arbeiten. Im höheren Alter (50-64 Jahre) sinkt dieser Anteil bei Frauen auf 54 % und bei Männern auf 68 % ab. Frauen (35 %) und Männer (42 %) jüngeren Alters (15-34 Jahre) arbeiten öfter sonntags und/oder feiertags als die 50- bis 64-jährigen Frauen (34 %) und Männer (40 %).

Datentabelle:
Schicht- und Wochenendarbeit: Beschäftigte nach Geschlecht und Alter 2012 (xls, 42KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Work-Life-Balance

Arbeits-Familien-Konflikt nach Geschlecht und Alter 2012

Anhand des Arbeits-Familien-Konflikts wird deutlich, inwieweit Beschäftigte auf familiäre und private Interessen bei der Arbeitszeitplanung Rücksicht nehmen können.

Die Mehrheit der Frauen und Männer aller drei Altersgruppen kann bei der Arbeitszeitplanung häufig auf familiäre und private Interessen Rücksicht nehmen. Den weiblichen Beschäftigten gelingt dies öfter als den männlichen Beschäftigten. Vor allem bei den Frauen mittleren Alters ist eine Rücksichtnahme am ehesten möglich (63 %). Bei den Männern ist es die jüngste Altersgruppe (59 %). Am zweithäufigsten ist bei beiden Geschlechtern eine häufige Rücksichtnahme auf familiäre bzw. private Interessen im höheren Alter möglich (Frauen: 60 %, Männer: 57 %).

Dass bei der Arbeitszeitplanung nur manchmal auf Interessen des Familien- und Privatlebens Rücksicht genommen werden kann, geben die Frauen jüngeren Alters (36 %) und die Männer mittleren Alters (38 %) am häufgsten an. Der Anteil der Beschäftigten, der nie auf familiäre und private Interessen Rücksicht nehmen kann, ist bei den Männern etwas größer als bei den Frauen. Unabhängig vom Alter geben nur 6 % der weiblichen Beschäftigten an, nie Rücksicht nehmen zu können. Bei den Männern jüngeren Alters (15-34 Jahre) und mittleren Alters (35-49 Jahre) sind es mit jeweils 7 % nur etwas mehr. Eine fehlende Rücksichtnahme wird bei den männlichen Beschäftigten am meisten von den 50- bis 64-Jährigen berichtet. Hier ist es jeder Zehnte.

Datentabelle:
Rücksichtnahme auf familiäre/private Interessen bei der Arbeitszeitplanung: Beschäftigte nach Geschlecht und Alter 2012 (xls, 40KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Betriebliche Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf 2012 und 2016

Vereinbarkeit von Familie und Beruf nimmt in Zeiten demografischen Wandels an Bedeutung zu. Sie fördert bzw. ermöglicht nicht nur Frauenerwerbstätigkeit bei gleichzeitigem Kinderwunsch, sondern wird auch aufgrund des wachsenden Pflege- und Betreuungsbedarfs in einer alternden Gesellschaft wichtiger. Häufig werden derartige Unterstützungsaufgaben noch von Angehörigen geleistet. Um diesen bei Berufstätigkeit angemessen nachkommen zu können, bedarf es vor allem flexibler Arbeitszeitregelungen. Entsprechend sind hier ebenso Arbeitgeber gefordert.

Balkendiagramm, das die betriebliche Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland in den Jahren 2012 und 2016 zeigt. Wird im Text erläutert. Betriebliche Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf 2012 und 2016 Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

In den Erhebungswellen 2012 und 2016 des IAB-Betriebspanels wurden die Betriebe daher gefragt, ob sie Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern haben. Am häufigsten sind Maßnahmen zur Anpassung der Arbeitszeit, sei es Teilzeitarbeit oder home office vorhanden. So gab in 2012 ein Viertel der Betriebe an, den Beschäftigten ein solches Angebot zu unterbreiten. Dieser Wert ist in 2016 auf nahezu 30 % gestiegen. Fast 10 % der Betriebe können ihren wegen Elternzeit freigestellten Beschäftigten Angebote machen. Und knapp 8 % unterstützen ihre Beschäftigten bei der Kinderbetreuung. Noch seltener werden Maßnahmen zur gezielten Förderung von Frauen sowie Unterstützungsleistungen für Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen angeboten. Auch ist nur rund 2 % der Betriebe Mitglied in einem Netzwerk familienfreundlicher Arbeitgeber. Im Vergleich zu 2012 fällt auf, dass die Anteile von Betrieben, die angeben Beschäftigte bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, gestiegen sind. Bei der gezielten Förderung von Frauen gab es keine Veränderung.

Datentabelle:
Betriebliche Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf 2012 und 2016 (xls, 40KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Lebensformen in Deutschland

Lebensformen der erwachsenen Bevölkerung 1996 - 2015

Politik und Gesellschaft fordern zunehmend eine bessere Vereinbarkeit von Familie/Privatleben und Beruf. Um dem nachkommen zu können, müssen Arbeitgeber in einem gewissen Maße die Lebenssituation ihrer Beschäftigten kennen. Verschiedene Lebensformen stellen schließlich unterschiedliche Anforderungen an die Arbeitsorganisation, weil z. B. junge ledige Personen andere Ressourcen und Zeitkapazitäten haben bzw. aufwenden können als alleinerziehende Elternteile.

In den letzten Jahrzehnten hat sich im Bereich der Lebensformen ein enormer Wandel vollzogen. Die zahlenmäßige Dominanz der Familienform "Ehepaar mit Kindern", die in den 1950er und frühen 1960er Jahren ihren Höhepunkt fand, ging deutlich zurück. Kinderlose Ehen sowie Lebensformen ohne den institutionellen Charakter der Ehe gewannen hingegen an Bedeutung. Auch die Stigmatisierung sogenannter "alternativer" Lebensformen wurde weitgehend überwunden. Allein zwischen 1996 und 2015 sank der Anteil verheirateter Paare mit Kindern im Haushalt von 18,9 % auf 13,8 % ab, die Zahl der Lebensgemeinschaften mit Kindern hingegen verdoppelte sich in dieser Zeit.

Betrachtet man heute die erwachsene Bevölkerung nach ihrer Lebensform, so wohnen 35 % von ihnen als Ehepaar ohne minderjährige Kinder zusammen. Die zweitgrößte Gruppe stellen Alleinstehende mit 27 % und erst an dritter Stelle kommen mit 16 % Ehepaare mit minderjährigen Kindern im Haushalt. Allerdings ist anzumerken, dass die Verbreitung Alleinstehender und kinderloser Ehepaare insbesondere dadurch zugenommen hat, dass sich diese Lebensformen im Normallebenslauf als neue Lebensphasen vor die Ehe mit Kindern geschoben haben: Die Mehrheit der Deutschen strebt nach wie vor eine "klassische" Kernfamilie an – jedoch erst, nachdem man eine Weile alleine gelebt, sich als Paar gefunden und gefestigt und eine Zeit lang kinderlos zusammengewohnt hat. Nach wie vor lebt der überwiegende Teil aller minderjährigen Kinder bei ihren verheirateten Eltern, wobei es erhebliche West-Ost-Unterschiede gibt. Während im Westen drei von vier Kindern bei verheirateten Eltern leben, tut dies in Ostdeutschland nur etwa jedes zweite Kind.

Datentabelle:
Bevölkerung nach Lebensformen in Deutschland (xls, 43KB, Datei ist nicht barrierefrei)

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