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Arbeit im Ruhestand

Stehender älterer Mann, der in der Bibliothek zwei am Tisch sitzenden Studenten etwas am Laptop erklärt (Quelle: Dean Mitchell/iStock) Quelle: Dean Mitchell/iStock

In den Medien häufen sich Berichte über Rentnerinnen und Rentner, die auch im Ruhestand noch arbeiten gehen. Wird die Erwerbstätigkeit im Ruhestand bald zum Normalfall? Welche Rolle spielen finanzielle Gründe?

Auch im Alter arbeiten – Ausdruck sozialer Schieflage...
In den vergangenen Jahren hat eine Diskussion darüber eingesetzt, ob immer mehr Menschen im Ruhestand noch arbeiten gehen müssen, um ihre (schmale) Rente aufzubessern. Dies geschieht nicht ohne Grund, denn es mehren sich die Anzeichen eines niedriger werdenden Alterssicherungsniveaus und einer wachsenden Zahl von armutsnahen Lagen im Alter. So sinken seit mehreren Jahren die durchschnittlichen Rentenhöhen beim Renteneintritt und es steigt der Anteil älterer Menschen, deren Einkommen unter der Armutsschwelle liegt oder die auf Grundsicherungsleistungen angewiesen sind. Vor diesem Hintergrund kann durchaus die Frage gestellt werden, ob die steigende Zahl von im Ruhestand Erwerbstätigen Ausdruck einer wachsenden finanziellen Notwendigkeit des Weiterarbeitens trotz Rente ist.

...oder Wunsch nach aktiver gesellschaftlicher Teilhabe?
Andererseits haben sich auch die Vorstellungen und Leitbilder für die nachberufliche Lebensphase verändert. Die traditionelle Idee vom Rückzug in den "wohlverdienten Lebensabend" konkurriert zusehends mit dem Leitbild des "aktiven Alterns". Heutzutage sind die Menschen hierzulande beim Übergang in den Ruhestand im Durchschnitt gesünder, qualifizierter und aktivitätsorientierter als in früheren Jahrzehnten. Nach dem Wechsel in die Rente noch in reduziertem Umfang arbeiten zu gehen, könnte daher auch Ausdruck einer höheren Arbeitsorientierung und des Wunsches nach aktiver Beteiligung am gesellschaftlichen Leben sein. Auch die Nachfrage nach älteren Arbeitskräften steigt.

Im Ruhestand erwerbstätige Personen

Entwicklung im Zeitvergleich (1996, 2002, 2008, 2014)

Säulendiagramm, das die Rentner-Erwerbsquote in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 zeigt. Wird im Text erläutert. Rentner-Erwerbsquote im Zeitvergleich (1996, 2002, 2008, 2014) Quelle: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)

Der Anteil der Personen, die trotz Bezugs einer Altersrente oder Pension erwerbstätig sind, hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Nach den Ergebnissen des Deutschen Alterssurveys waren im Jahr 2014 knapp 12 % der Personen im Ruhestand erwerbstätig, mehr als doppelt so viele wie 1996. Trotz der Zunahme ist das Arbeiten von Rentenbeziehern bislang allerdings immer noch die Ausnahme. Eine weitere Zunahme lässt sich jedoch erwarten, da zur Wahrung des Lebensstandards zukünftig mehr Menschen Interesse an einer Aufbesserung ihrer Alterseinkünfte haben dürften, zugleich die Nachfrage nach solchen Arbeitskräften zunehmen wird und Erwerbstätigkeit eine Möglichkeit zur Aufrechterhaltung aktiven Alterns bietet.

Datentabelle:
Im Ruhestand erwerbstätige Personen (bis 85 Jahre) in Deutschland (xls, 34KB, Datei ist nicht barrierefrei)

nach Alter, Geschlecht, Bildungsniveau und West-/Ostdeutschland 2014

Balkendiagramm, das die Rentner-Erwerbsquote nach Alter, Geschlecht, Bildungsniveau und in West-/Ostdeutschland im Jahr 2014 zeigt. Wird im Text erläutert. Rentner-Erwerbsquote nach Alter, Geschlecht, Bildungsniveau und West-/Ostdeutschland 2014 Quelle: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)

Wie die altersspezifischen Unterschiede nahelegen, wird eine Weiterbeschäftigung im Ruhestand vor allem in den ersten Jahren nach dem Rentenbeginn praktiziert. Denn die Erwerbsquote der 60- bis 69-jährigen Altersrentenbeziehenden liegt bei knapp 21 %, während sie im Alter von 70 bis 85 Jahren nur noch rund 7 % beträgt. Männer gehen auch im Ruhestand häufiger einer bezahlten Arbeit nach als Frauen (14,7 % gegenüber 8,6 %) und Westdeutsche häufiger als Ostdeutsche (12,2 % gegenüber 9,0 %). Auch bei der nachberuflichen Beschäftigung zeigt sich die Bildungsabhängigkeit der Erwerbsbeteiligung: Je höher das berufliche Bildungsniveau, desto höher ist auch die Erwerbsquote im Ruhestand. Dies deutet darauf hin, dass ein Weiterarbeiten im Ruhestand nicht primär aus finanzieller Notwendigkeit erfolgt.

Datentabelle:
Im Ruhestand erwerbstätige Personen in Deutschland nach Alter, Geschlecht, Bildungsniveau und West-/Ostdeutschland 2014 (xls, 34KB, Datei ist nicht barrierefrei)


Erwerbstätigkeit im Ruhestand

Art der Tätigkeit und Beschäftigungsverhältnis 2014

Erwerbstätige Personen im Ruhestand arbeiten überdurchschnittlich oft als Selbstständige (41,5 %), entweder in Ausübung einer neuen Tätigkeit oder in Fortführung ihrer bisherigen selbstständigen Arbeit trotz Bezugs ihrer Haupteinkünfte aus einem Alterssicherungssystem. Rund sechs von zehn Erwerbstätige sind abhängig beschäftigt. Eher selten arbeiten sie bei oder für ihren früheren Arbeitgeber (26,4 %).

Die im Ruhestand Erwerbstätigen üben ein breites Spektrum von Tätigkeiten aus. Vergleicht man dieses mit den Tätigkeiten der Erwerbstätigen ab 40 Jahren, die noch nicht im Ruhestand sind, fallen zwei Dinge auf: Im Ruhestand werden überdurchschnittlich oft akademische Berufe, Verkaufs- und Dienstleistungsberufe, aber auch Montage- und Hilfstätigkeiten ausgeübt. Unterdurchschnittlich verbreitet sind hingegen Handwerksberufe, Bürokräfte, Techniker- und gleichrangige nicht-technische Fachkraftberufe (z. B. im kaufmännischen, Unternehmensdienstleistungs- und Verwaltungsbereich).

Datentabelle:
Art der Tätigkeit und Beschäftigungsverhältnis der im Ruhestand Erwerbstätigen 2014 (xls, 36KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Zeitlicher Umfang nach Beschäftigungsverhältnis 2014

Gestapeltes Balkendiagramm, das die wöchentliche Arbeitszeit der im Ruhestand Erwerbstätigen nach Beschäftigungsverhältnis im Jahr 2014 zeigt. Wird im Text erläutert. Zeitlicher Umfang der Erwerbstätigkeit im Ruhestand nach Beschäftigungsverhältnis 2014 Quelle: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)

Bei den Erwerbstätigkeiten im Ruhestand handelt es sich größtenteils um geringfügige Beschäftigungsverhältnisse bzw. Teilzeittätigkeiten mit weniger als zwanzig Wochenstunden. Drei Viertel entfallen auf diese Arrangements. Nur 13,2 % sind Vollzeitjobs mit mindestens 35 Arbeitsstunden pro Woche. Selbstständige sind mit 19,2 % zwar doppelt so oft Vollzeit tätig wie abhängig Beschäftigte – aber auch bei den Selbstständigen dominiert die Teilzeittätigkeit mit unter zwanzig Wochenstunden. Erwerbstätigkeit im Ruhestand ist daher typischerweise eine von der Dauer und dem zeitlichen Aufwand stark begrenzte Nebentätigkeit.


Datentabelle:
Wöchentliche Arbeitszeit der im Ruhestand Erwerbstätigen nach Beschäftigungsverhältnis 2014 (xls, 34KB, Datei ist nicht barrierefrei)

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Datenquellen der Textinhalte

Zu den Datenquellen:

Deutscher Alterssurvey

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